Die Ich-Pleite: Spartenvergnügen

Das neue Jahr hat schon etwas Gutes gebracht.

Man sitzt wieder gemütlich zu Hause und braucht nicht mit dem Zug irgendwohin zu fahren. Das heißt: Das Zugfahren wäre nicht das Problem gewesen, weil umweltfreundlichkeitsmäßig gibt es nichts Besseres. Aber das Ticketkaufen ist leider zum Spartenvergnügen für Menschen mit außerordentlich starken Nerven und ungewöhnlicher Intelligenz geworden. Beim ÖBB-Ticket-Kaufen trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn man sich bisher vormachen konnte, dass man noch meilenweit von dem Stadium entfernt ist, in dem man ein buntes Tablettenschächtelchen braucht, damit man die Morgenpille nicht dreimal schluckt, weiß man jetzt: Weiter weg ist man von den begabten Jungs und Mädels, die für die Programmierung der ÖBB-Website zuständig waren.

Sicher war ihnen nicht bewusst, dass manche Menschen einen guten Tag haben müssen, wenn sie online eine Fahrkarte von Wien nach Innsbruck kaufen möchten. Wahrscheinlich hätten sie auch nicht gedacht, dass man einen Informatik-Bachelor braucht, wenn man im Nachhinein noch einen Platz reservieren will. Weil sie haben ja einen. Aber wegen der Depressionen, der Familienstreite und Bluträusche, die sie dadurch vielleicht auslösen, brauchen sie kein schlechtes Gewissen zu haben! Denn dafür haben sie einen neuen Retrotrend begründet. Die Slow-Ticketing-Bewegung! Immer mehr Menschen machen sich am Vortag auf den Weg zum Bahnhof und kaufen ihre Fahrkarte am Schalter. Wie früher. Kann aber natürlich schon sein, dass sich der eine oder andere im Auto auf dem Weg zum Bahnhof denkt: Ach was, jetzt bin ich schon durch die ganze Stadt gefahren, da kann ich eigentlich gleich weiterfahren.

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