Die Ich-Pleite: Single-Sein

Das Schöne an Freundschaften ist, dass man sich in schweren Zeiten mit Trost und Rat zur Seite steht.

Neulich treffe ich Eva bei unserem Lieblingsitaliener. „Du schaust super aus!“, begrüße ich sie begeistert. Die Leute am Nebentisch werfen sich verstohlene Blicke zu. Weil Eva eher so aussieht, als käme sie vom Probeliegen am Zentralfriedhof. Aber die Leute hätten sie vor zwei Monaten frisch nach der Trennung sehen sollen! „Was machst du jetzt?“, will ich wissen. „Einen Neuen suchen?“ Sie sieht mich mit einem „Lieber lasse ich mir einen Furunkel herausoperieren“-Blick an. „Na ja“, meine ich vorsichtig, „Single-Sein hat auch seine Vorteile!“ Eva schaut drein, als hätte ich ihr vorgeschlagen, statt an Pest an Cholera zu erkranken. „Du hast die Wohnung für dich allein!“ Eva lächelt gequält. „Keiner macht dir Vorschriften, wie du den Geschirrspüler einräumen oder die Glühbirne hineinschrauben musst“, versuche ich es weiter.

„Du kannst aufstehen und schlafen gehen, wann du willst!“ Keine Reaktion. „Niemand schnarcht in deinem Bett!“, gebe ich nicht auf. Die Leute am Nachbartisch erschrecken. Weil jetzt, da Eva noch mehr verfällt, merkt man erst, wie gut sie vorher ausgesehen hat. „Okay, es ist vielleicht nicht das Paradies auf Erden, aber du ersparst dir auch einiges. Denk nur an die vielen Zahnpastatuben-Streitereien!“ Eva verdreht die Augen. „Also ehrlich! Du könntest dich schon ein bisschen um Optimismus bemühen!“, verlange ich. „Du hast leicht reden!“, schimpft sie. „Wieso? Ich bin doch auch Single!“ Eva schaut mich grantig an. „Im Gegensatz zu mir!“ „Im Gegensatz zu . . .“ „Ja, wir sind wieder zusammen!“ Eva verzieht das Gesicht. „Aber wieso?“ „Ich habe ja eine Mediation vorgeschlagen.“ „Und?“ „Es hat gewirkt.“

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