Die Ich-Pleite: Selbstfahrende Autos

Wenn man nicht zu intelligent ist, kommt man nie drauf, dass an der Rechnung etwas nicht stimmen kann.

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Es muss ein evolutionärer Vorteil gewesen sein, dass sich der Mensch besser einschätzt, als er ist. Vielleicht, weil er sonst nie den Mut aufgebracht hätte, nach einer Fortpflanzungsmöglichkeit zu suchen. Immerhin 70 Prozent von uns wähnen sich über dem Durchschnitt. Intelligenzmäßig. Wenn man nicht zu intelligent ist, kommt man nie drauf, dass an der Rechnung etwas nicht stimmen kann. Man muss ja nicht gleich ein kleiner Pascal sein, der schon 1642 eine Rechenmaschine erfunden hat, die Pascaline. Hauptsache, man gehört zu den besseren 70 Prozent. Und egal, wie vernachlässigbar die Karriere oder die Bewunderung durch das andere Geschlecht sein mag, es gibt einen Bereich, in dem sich sogar 90 Prozent der Menschen überdurchschnittlich fühlen: Autofahren. Doch damit ist jetzt auch Schluss. Denn schon bald wird das selbstfahrende Auto das Steuer übernehmen.

Die Elektronik bessert ja jetzt schon klammheimlich unsere Unterbegabungen aus. Sie hilft beim Einparken, ermahnt einen, wenn man müde wird, und schaltet dezent elektronische Fahrhilfen ein, wenn man Kurvenradien falsch berechnet hat. Bald wird das Fahrzeug eigenmächtig entscheiden, wohin man fahren möchte. Oder das Starten überhaupt verweigern, wenn es findet, man sollte besser daheimbleiben. Womöglich tritt man sich sonst auf freier Wildbahn noch einen Beifahrer oder eine Beifahrerin ein, und das kann längerfristig für das Selbstwertgefühl ungeahnte Folgen haben. Schon der Konstrukteur der Pascaline konnte davon ein Lied singen: "Das ganze Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." Wir sind also gar nicht so blöd, wenn wir im Prinzip eh zu 100 Prozent nur noch daheimsitzen und mit unseren Rechenmaschinen spielen.

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