Die Ich-Pleite: Verkehrsschlümpfe

Schanti, Kiberer, Puutz - Welchen Tarif haben Polizei-Spitznamen?

(c) Carolina Frank

Seit ein Tiroler 160 Euro zahlen musste, weil er die mit der Radarpistole auf Temposünder lauernden Verkehrspolizisten auf Facebook als "Schlümpfe" bezeichnet hatte, geht mir die Frage nicht aus dem Kopf, welchen Tarif wohl vergleichbare Polizei-Spitznamen gehabt hätten. Dem Begriff "Kiberer" scheinen die Kiberer gelassener gegenüberzustehen, nennt sich doch in Wien sogar die polizeieigene Kabarett-Truppe "Kibarett". Aus meinem Tiroler Heimatdorf ist mir das düster klingende "Puutz" geläufig. Hauptsächlich in der Form: "Do muasch aufpassn, dass di nit die Puutz darwischn." Meist wurde der Begriff auch dann im Plural verwendet, wenn es um einen einzigen "Schanti" ging. Als Organ des großen Ganzen war auch er "die Puutz". Laut Onlinewörterbuch handelt es sich bei "Puutz" um eine völlig wertfreie Zusammenballung des dreisilbigen Wortes "Polizist".

Ich muss aber gestehen, dass wir als Kinder "Puutz" nicht völlig wertfrei verwendet haben. Sprachwissenschaftlich gibt es hier Interpretationsspielraum. Juristisch ist der Begriff aber zweifelsfrei gesichert. Laut einem OGH-Urteil aus dem Jahr 2007 haben zwei Angeklagte die gefährliche Drohung ausgesprochen: "Wenn s zu die Puutz gehts, seids hin!" Nicht bekannt ist, ob die Strafe höher oder milder ausgefallen wäre, wenn die Drohung gelautet hätte: "Wenn s zu die Schlümpfe gehts, seids hin!" Ich hoffe nur, dass nicht auch noch die Produzenten der Comicserie "Die Schlümpfe" auf die Idee kommen, den Tiroler Radarwarner wegen Diskreditierung der Schlümpfe anzuzeigen. Ein Anruf zwecks Anzeigenerstattung bei den diensthabenden ähm Schlümpfen könnte eventuell der Stoff sein, aus dem die besten "Kibarett"-Abende sind.

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