Die Ich-Pleite: Teeküchengesprächsstoff

Es gibt ja viele Dinge, von denen man genau weiß, dass man sie nicht machen soll.

Es gibt ja viele Dinge, von denen man genau weiß, dass man sie nicht machen soll: rauchen, trinken, fluchen, den Regenschirm daheim lassen, obwohl Regen angesagt ist, die Mülltonne nicht ausleeren, bevor man auf Urlaub fährt, sich beim Honorarnoten-Ausstellen nicht konzentrieren und sich deshalb zu seinen Ungunsten verrechnen, die Großtante fragen, wie es ihr gesundheitlich gehe, bei der Firmenfeier schon leicht beschwipst auftauchen, weil man vorher mit einem Prosecco auf die gelungene Präsentation der Kollegin angestoßen hat. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Und dann so lange, bis es am Buffet nichts mehr zu essen gibt. Nicht heimgehen, obwohl sich schon alles ein wenig dreht. Sich nicht mehr mit all den netten Kolleginnen unterhalten, sondern nur noch mit den netten Kollegen. „Ja“ sagen, wenn einer von ihnen fragt, ob man noch ein Stückchen gemeinsam heimgeht. Das Stückchen verlängern und „okay“ sagen, wenn er meint: „Jetzt bring ich dich gleich ganz nach Hause.“ Ihn dann auch noch fragen, ob er auf einen kleinen Espresso mit raufkommen möchte. Nicht sagen, man hätte es sich anders überlegt, wenn er freudig zustimmt. Ihn dann nicht VORHER fragen, ob er eigentlich liiert ist, und ihm NACHHER glauben, dass er sich eh von seiner Freundin trennen will.

Mehrere Monate warten, bis man endlich sagt: „Sie oder ich!!“ Verständnis haben, dass er sich nicht sofort entscheiden kann. Ihm Bedenkzeit geben. Ihm mehr Bedenkzeit geben. So lange, bis seine Freundin schwanger geworden ist. Alles hätte man schon vorher gewusst! Aber das nützt einem dann auch nichts mehr, wenn man allein, unglücklich UND der Teeküchengesprächsstoff für die ganze Abteilung geworden ist.

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