Charakterverschiebung

Der Klimawandel ist etwas, das man nur mehr ignorieren kann, wenn man ein amerikanischer Präsident ist.

(c) Carolina Frank

Die Auswirkungen sind überall deutlich zu spüren. Fremde Tier- und Pflanzenarten wandern langsam zu uns in den Norden und verdrängen hier ein paar Klimaverlierer, die es nicht so heiß und trocken mögen. Aber auch wir Menschen verändern uns mit der Erderwärmung. Genetiker sagen uns voraus, dass wir wieder so dunkel werden wie die ersten Europäer vor 10.000 Jahren. Wegen der Sonnencremen und weil wir so viel vor den elektronischen Geräten sitzen, können wir es vielleicht noch ein bisschen hinauszögern. Zumindest was die Farbigkeit anbelangt. Aber eines kann man jetzt schon sagen: Pa­rallel zur Klimaverschiebung kommt es zu einer Charakterverschiebung. Seit es so warm geworden ist, lächeln die Menschen viel mehr.

Sie grüßen sich und stehen freundlich plaudernd vor dem Haus! Gestern hat mich sogar meine Nachbarin, von der ich bisher glaubte, sie sei taub und stumm, gefragt, wie es mir geht! Auf der Straße lässt man Radlerinnen den Vorrang, und alle scheinen das Hupen vergessen zu haben. Ich muss sagen, ich mache mir ein bisschen Sorgen um unseren heimischen Grant und die autochthone Generalangefressenheit. Und den „Wos wüsst!?“-Blick, wenn man einen Angestellten der Dienstleistungsbranche etwas fragt. Alles bedrohte Verhaltensweisen, wenn das mit der Klimaerwärmung so weitergeht. Gestern hat sogar der Chef „Guten Morgen allerseits! Was für ein schöner Tag!“ gesagt. Ein alarmierendes Zeichen! Glücklicherweise hat er noch dazugesetzt: „Bis Mittag will ich fünf neue Ideen auf dem Tisch haben!“ Sonst hätte ich wirklich Angst bekommen, dass die Charakterverschiebung bereits unumkehrbar ist!

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