Newsletter abgemeldet

Schadenfreude macht unattraktiv.

(c) Carolina Frank

Sie verwandelt einen in einen Kleingartenhäusler, der sich darüber freut, dass beim Nachbarn heuer die Tomaten schwächeln. Ganz im Gegensatz zu den eigenen! Hehe! Aber was soll man machen? Es gibt kaum eine tiefere Genugtuung. Außer vielleicht erfolgreiches Pickel-Ausdrücken oder Gelsen-Erwischen. Nicht schön ist das! Und sicher haben es sich die einzelnen Firmen auch nicht verdient, dass man die EU-Datenschutz-Grundverordnung ausnützt und jetzt gnadenlos ihre Newsletter abmeldet. Theoretisch hätte man dies vorher auch schon machen können, aber nur, wenn man sehr blitzgneißerisch oder eselsgeduldig war. Jetzt aber muss es trotteleinfach sein! Hehe! Natürlich tun mir die vielen Versandfirmen-Angestellten leid, die jetzt die vielen Abmelde-­E-Mails bekommen. Aber nein, da sind ja gar keine Versandfirmen-Angestellten dahinter, sondern nur eine Versandfirmen-Computersoftware. Tja dann!

Dann brauche ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich unter „Feedback“ alles ankreuze, was zur Auswahl steht: Von „Kein ­Interesse am Inhalt“ bis „Habe mich nie für diesen Newsletter angemeldet“. Vielleicht schreibe ich sogar noch ein paar eigene Formulierungen dazu. „Kapitalistengfraster“ oder „Ällabätsch!“ Die Versandhändler-Software hat ja keine Gefühle. Ohne mit der Wimper zu zucken, ignoriere ich ihr flehentliches Bitten um Wiederanmeldung und die vielen Karotten, die sie mir vor die Nase hält im Austausch gegen meine Daten. Endlich sitze ich einmal am roten Knopf! Hehe! Geschafft! Alle Newsletter abgemeldet! Jetzt bekomme ich nur noch wichtige E-Mails! Das sind natürlich viel weniger. Viel, viel weniger sogar. Sehr, sehr viel weniger! Also gut: gar keine.

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