Hochnebel und Optimismus

Der Sommer ist angezählt. Daran kann auch der eine oder andere Altweibersommertag nichts mehr ändern.

Carolina Frank

Bald werden sich die ersten Hochnebelschwaden bis zum Nachmittag halten. Dann wird’s kalt und feucht. Und spätestens, wenn es um drei dunkel wird, werden wir uns wieder in den Süden wünschen. Dabei sind die glücklichsten Menschen im Norden zuhause. Laut World Happiness Report sind die Finnen schon zum zweiten Mal Erster beim Glücklichsein. Vorher waren es die Norweger und im Jahr davor die Dänen.

Man fragt sich natürlich: Woran liegt das? Das Wetter kann es nicht sein. Denn in Helsinki regnet es von Oktober bis Februar an 20 von 30 Tagen, und Tag wird es nur, wenn man die Tageslichtlampe einschaltet. Es muss ein angeborener Optimismus sein. Angesichts der ersten Polarnacht müssen sich die ersten Finnen vor 10.000 Jahren gesagt haben: „Okay, die Sonne ist jetzt seit fünf Wochen nicht mehr aufgegangen, aber – hey! – dafür lebt hier Santa Claus mit seinen Rentieren.“

Wir sollten uns ein Beispiel nehmen. Statt über den Hochnebel zu jammern, sollten wir sagen: „Okay, die Sonne hat sich jetzt fünf Wochen nicht mehr ­blicken lassen, aber – hey! – dafür bekommen wir bald eine neue Regierung!“ Man muss das Glas eben halb voll sehen. Es braucht ja nicht immer ein Wasserglas zu sein. Auch die Finnen greifen in den langen Winternächten gern zum Trostachtel. Obwohl ihnen das die Regierung mit den EU-weit höchsten Alkoholsteuern gern abgewöhnen möchte. Aber jeder smarte Finne sagt sich: „Dann mache ich eben einen Ausflug nach Estland. Wenn mein Rucksack groß genug und das mitgebrachte Souvenir hochprozentig genug ist, reicht es vielleicht für einen langen, glücklichen Winter!

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