Kunststück: Take-Festival

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Angela Wiedermann in Markus Wernitznig

Die Künstlerin, die früher selbst ein eigenes Modelabel hatte, arbeitet hauptsächlich mit Text im öffentlichen Raum. „Ich will, dass sich die Besucher wiederfinden“, erklärt sie das Ziel ihrer Installation im Parcours des Take Festivals. Dafür verteilt sie Textilpflegeetiketten mit Hilferufen. Anders als die Botschaften, die in den Läden von Modediskontern von ausgebeuteten Arbeitern gefunden wurden, befasst sich die Künstlerin mit oberflächlichen Befindlichkeiten. „Hilfe, meine Zehn-Euro-Pumps drücken“, wird darauf etwa zu lesen sein. Im zweiten Teil des Projekts, das Wiedermann mit Heidi Schütterbacher, die den Vintage-Laden „Kleider gehen um“ führt, entwickelt hat, widmet man sich ganz dem Flanieren, der Überraschung und des Augenblicks.
Wiedermann trägt einen Mantel von Markus Wernitznig. Der Designer ist für den Modepreis des Bundeskanzleramts nominiert. Er studiert an der renommierten Central Saint Martins Modeschule, wo er zu den besten sechs des Master-Abschlussjahrgangs 2017 gehört, und hat schon für Marken wie Céline, Tom Ford und Balenciaga gearbeitet.

(c) Elsa Okazaki
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Bianca Anne Braunesberger in GON

„Arachnoid“ nennt sich die Performance, die die professionelle Tänzerin und Choreografin mit Stefan Zotter, dem musikalischen Leiter der gemeinsamen Tanzkompanie Tauschfühlung, präsentiert. Dabei geht es um die seelische Verbindung zu Spinnenwesen, was sie mit der Psyche in Träumen machen und wie sie im Denken auftauchen. „Bei mir tauchen die Tiere in Träumen auf. Letztes Jahr war es die Schlange, da musste ich den Schlangentanz machen, bis ich wieder schlafen konnte“, erzählt sie. Eine neue Dimension erhält die Performance durch ihr Kostüm, das sie selbst entworfen und geschneidert hat. „Durch den Stoff wird der Tanz noch verstärkt. Mit Farben, Formen und Mustern kann man sich wie auf einer Leinwand eine ganz andere Welt schaffen.“
Braunesberger trägt einen Hosenanzug des Labels GON. Designerin Christina Steiner gründete das Unternehmen 2011 nach ihrem Abschluss an der Modeklasse der Angewandten mit Gastprofessoren wie Raf Simons und Veronique Branquinho. Nominiert ist Steiner im Zuge der Austrian Fashion Awards für den Modepreis der Stadt Wien.

(c) Elsa Okazaki
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Luciano Raimondi in Selina Rottmann

Eine Audioinstallation mit Ausschnitten aus Interviews von Künstlerin wie Patti Smith, David Lynch und Marina Abramović zeigt der Tausendsassa, der an der Angewandten Mode studiert hat und bald ein zweites Eisgeschäft eröffnet, im Zuge des Take Festivals. „Meditation“ ist eine Audioinstallation, die Ruhe bringen soll. „Es sind sehr persönliche Statements. Über das Leben, die Liebe. Über wesentliche Dinge“, so der Künstler. Der Brückenschlag zur Mode fällt ihm leicht: „Es gibt einen Trend gegen die Schnelllebigkeit. Mode zu machen, die mehr als eine Saison standhält. Dieser Gedanke findet sich auch in meinem Projekt wieder“. Die Besucher sollen innehalten und sich inspirieren lassen.
Der Künstler trägt ein Outfit von Selina Rottmann, die für den Modepreis des Bundeskanzleramts nominiert ist. Die Absolventin des Bachelor-Modestudiums der Kunstuniversität Linz am ehemaligen Standort Hetzendorf konzentriert sich aufgrund des größeren experimentellen Spielraums ganz auf Herrenmode.

(c) Elsa Okazaki
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Naa Teki Lebar in Femme Maison

Berührungen, Nicht-Berührungen und die jeweiligen Überschneidungen hat die Installation der Fotografin und Sprachkünstlerin zum Thema. Kollegin Sophie Skach hat zu den Texten ein Kleidungsstück designt, in das Synapsen eingearbeitet sind. Die Besucher können diese berühren und erhalten im Gegenzug eine Kurzgeschichte, die für sich alleine, aber auch zusammen stehen kann. „Nicht jede Person wird überall hingreifen, deshalb geht jede Person mit einer anderen Geschichte nach Hause“, erklärt Naa Teki Lebar. „Dialog“ zeigt die Schnittstelle zwischen dem tatsächlichen Berühren und dem Berührenwollen, aber nicht -können.


Franziska Fürpass – eine Absolventin der Angewandten unter der Leitung von Raf Simons sowie Veronique Branquinho – und Sia Kermani sind mit ihrem Label Femme Maison seit Jahren international erfolgreich und jetzt für den Modepreis der Stadt Wien nominiert. Das Duo konzentriert sich in seinen Arbeiten auf tragbaren, modernen Luxus und raue Eleganz.

(c) Elsa Okazaki
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Max Mauracher in Wendy & Jim

Der studierte Grafikdesigner, der sich beruflich kommerziellen Arbeiten widmet, sieht das Take Festival als gute Chance, künstlerisch und kreativ Position zu beziehen. „Wie kann man Kleidung alles nehmen, das sie ausmacht, und sie so zu Kunst machen?“, stellt sich Mauracher in Zusammenarbeit mit der Bildenden Künstlerin Maria Scharl die Frage. Shirts, die auf Willhaben gekauft wurden, werden gebleicht, verhärtet, verbrannt und so zu Skulpturen, die wieder an Wert gewinnen. Ein zweites Projekt zeigt Mauracher mit Kollegin Catherine Hazotte, mit der er das Verlagshaus POOL Publishing gegründet hat. Ausgestellt werden die bisher veröffentlichten Arbeiten.
Beim „Schaufenster“-Shooting trägt Max Mauracher einen Look von Wendy & Jim. Helga Ruthner und Hermann Fankhauser gründeten als ehemalige Schüler von Helmut Lang und Vivienne Westwood an der Angewandten 1999 ihr international sehr erfolgreiches Label. Bei den AFA-Awards ist Wendy & Jim für den „Outstanding Artist Award“ für experimentelles Modedesign des Bundeskanzleramts nominiert.

(c) Elsa Okazaki
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Mario Kiesenhofer in House of the Very Island’s

Der sexuellen Topografie urbaner Räume hat sich der Fotograf – er fotografiert unter anderem für die Modelabels Sightline und DMMJK – verschrieben. Konkret hat er schwule Clubs, Bars und Saunas von Wien über Berlin, New York und Tokio vor der Linse. „Es sind menschenleere Szenarien. Räume ohne Akteure, ohne den Körper des Begehrens“, erklärt Kiesenhofer. Gezeigt werden die Prints – im Vorjahr wurde bereits der erste Teil der Reihe im Zuge des Take Festivals präsentiert – hinter Rauchglas. „Der Blick auf die Fotografie ist ein gefilterter, das gibt dem Raum Schutz zurück“, so Kiesenhofer, der an der Akademie für Bildende Künste studiert hat. Seinen Raum in der Alten Post wird er diesmal als Open Studio inszenieren.

Ursprünglich ein Projekt aus vier Designern, fokussieren sich seit 2008 Karin Krapfenbauer und Markus Hausleitner von House of the Very Island‘s explizit auf Mode. Wichtig ist dem Duo nicht nur Unisex-Tragbarkeit sondern auch ökologische Materialien. Nominiert sind sie für den „Outstanding Artist Award“ für experimentelles Modedesign des Bundeskanzleramts.

(c) Elsa Okazaki
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