Erklärungsnot

Die schwierigen Fragen kommen manchmal recht unvermittelt daher.

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„Ist eigentlich in Syrien wieder alles in Ordnung?“, fragt der Siebenjährige, während wir Tischtennis spielen. „Nein, das kann man so leider nicht sagen“, antworte ich und hebe den Ball auf. „Und der böse Chef dort, ist der wenigstens schon weg?“, fragt er weiter. „Nein, den gibt’s immer noch.“ „Aber wenn Krieg ist, muss doch auch einmal jemand gewinnen. Und dann ist der Krieg doch wieder aus“, fragt er weiter. „Das ist dort leider besonders kompliziert, weil nicht ein Land ein anderes Land angreift, sondern die Menschen im Land gegeneinander kämpfen.“ Und dann versuche ich, dem Jüngsten wieder einmal zu erklären, dass es nicht überall auf der Welt so gut wie bei uns ist, dass wir großes Glück haben, man sich hier die Chefin oder den Chef selbst aussuchen kann und selbst wenn da einmal ein Blödsinn rauskommt, wie zum Beispiel gerade in den USA, dann muss man nur ein paar Jahre warten und sucht sich eben einen Neuen aus, der das besser macht.

Und bis dahin gelten die Regeln, die für alle gelten, immer auch für den Chef. Und das ist in Syrien leider nicht so, weil der dort tun kann, was er will. Ja, gerade steht nicht alles zum Besten, das merkt man auch daran, dass man Kindern gegenüber regelmäßig in Erklärungsnot kommt. Und dass man in der Früh das „Morgenjournal“ später aufdreht, weil man weiß, die Spitzenmeldung ist wieder ein Terroranschlag. Und der passt einfach nicht zu Smacks und Schulweg. Denn anders als die Geschichte vom bösen Chef kann man dem Buben nicht so ohne Weiteres erklären, warum es Menschen gibt, die sich in die Luft sprengen und versuchen, dabei möglichst viele andere mit in den Tod zu reißen. Da kann man sich schon einmal fürchten. Nicht nur als Siebenjähriger.

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