Randerscheinung: Haustiere

Der Jüngste hat recht schnell begriffen, dass sein neuer Status als vorübergehendes Einzelkind nicht nur Nachteile hat.

(c) Carolina Frank

Der Jüngste hat recht schnell begriffen, dass sein neuer Status als vorübergehendes Einzelkind (wegen des Auslandssemesters seines mittleren Bruders, der Älteste wohnt ja nicht mehr zu Hause) nicht nur Nachteile hat. Und wieder einmal geschickt das Thema Haustier auf die Tagesordnung gebracht. „Ich bin ja jetzt ganz allein, und da wäre so ein Hund schon was Feines“, meint er mit treuherzigem Blick, „dann hätte ich immer jemanden zum Spielen.“ Und weil er natürlich genau weiß, dass er so das Vaterherz erweichen kann, fällt mein „Nein“ zum Tier eine Spur weniger kategorisch aus als sonst. Was sich als fataler Fehler erweist. Schon kurze Zeit später kommt der Bub mit dem Buch aller Hundearten aus seinem Zimmer, die Wunschseiten mit bunten Lesezeichen markiert. „Der hier würde mir gefallen“, sagt er und zeigt auf ein Riesentrumm.

„Also so ein großer kommt nicht infrage, höchstens bis zum Knie oder so“, sage ich entsetzt. „Das ist aber sehr, sehr klein“, antwortet er und schaut besorgt an seinem Bein hinunter. „Nein, schon bis zu meinem Knie“, sage ich, während er längst weiterblättert. „Oder der hier ist super. Da steht, er ist selbstständig und intelligent, das ist doch gut, weil du immer sagst, es ist untertags niemand da, der auf ihn schauen kann. Und man kann ihm auch alles Mögliche beibringen.“ Ich murmle etwas von wozu wir dann einen Hund brauchen, wenn eh niemand da ist; und dass er ja dann tagsüber lesen kann, wenn er so gescheit ist, aber der Bub hat schon den nächsten Kandidaten parat: „Schau, ein Hüttenhund, der kann überhaupt draußen sein.“ Seufz. „Das ist ein Hütehund, der kümmert sich um die Schafe, wir haben aber keine.“ Jetzt merke ich, ich muss ganz rasch das Thema wechseln, sonst haben wir bald mehr als nur ein Haustier.

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