Randerscheinung: Der achte Geburtstag

Man ist so erwachsen, dass man sich vor der Schule kein Bababussi mehr geben lassen muss, bekommt aber trotzdem vor dem Einschlafen vorgelesen.

(c) Carolina Frank

So ein achter Geburtstag ist schon eine feine Sache. Man ist alt genug, um allein zum Bäcker oder Eisgeschäft zu gehen, muss sich aber noch nicht um den sonstigen Einkauf kümmern. Man darf dem Friseur oder der Tante, die auch oft schneidet, sagen, wie man die Haare will (nämlich hinten urlang und vorn die Stirnfransen über den Augen lassen), und trotzdem nach jedem Haarewaschen ein Riesentheater beim Abrubbeln und Föhnen machen. Man ist so erwachsen, dass man sich vor der Schule kein peinliches Bababussi mehr geben lassen muss, bekommt aber trotzdem vor dem Einschlafen ausgiebig vorgelesen. Und kann überhaupt immer klein sein, wenn das Vorteile bringt, und dann schon wahnsinnig groß, wenn einem gerade danach ist. Nur das Geburtsdatum kann man sich auch mit acht Jahren nicht aussuchen.

Ende März ist, wenn Ostern früh ist, oft ziemlich nah am Eierverstecken. Heuer nur zwei Tage davor. Der Jahreskreis aus Kinderaugen besteht ja aus einigen wenigen Anlässen, auf die ungeduldigst hingefiebert wird: Ganz oben stehen Geburtstag und Weihnachten. Der Heilige Abend fast noch ein Stück weiter vorn, allerdings gibt es Kinder, die Geburtstag lieber mö gen, weil sie da allein die Gefeierten sind. Dahinter Ostern, Nikolaus und Krampus, früher Namenstag, jetzt Halloween, das der Jüngste inzwischen sogar lieber mag als Ostern. Da ein halbes Dutzend Geschenketage auf zwölf lange Monate im Zeitempfinden eines Kindes arg wenig sind, ist es besonders blöd, wenn der Geburtstag zu nah an einem der fixen Anlässe liegt. Oder mitten in einer schularbeitsreichen Zeit. Am besten hat es der Älteste erwischt: Geburtstag in den Sommerferien. Der Geburtstag des Jüngsten war trotzdem ein voller Erfolg. Nur bis Weihnachten zieht es sich etwas.

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