Randerscheinung: Väterlichen Unzulänglichkeiten

Bei uns nimmt der Älteste zuletzt immer öfter die Rolle einer Art Supernanny ein.

(c) Carolina Frank

Einer der wenigen Vorteile der sonst recht wenig vorteilsbehafteten Erziehungsarbeit liegt darin, dass man sie meist zumindest unbeobachtet verrichten kann (vom zu Erziehenden einmal abgesehen natürlich). Wenn also der Achtjährige doch noch die vierte Kugel Eis bekommt, obwohl man vorher zig Male gesagt hat, es gebe sicher nur die Portion um 2,40 Euro (maximal 3 Sorten, normalerweise Schoko, Cookies, Erdbeere, zuletzt aber immer öfter Nougat statt Schoko, ideal wären deshalb eben Schoko UND Nougat). Wenn ich ungeduldig reagiere und ihn anschnauze, weil er „nie“ etwas allein spielt, obwohl er eh urangenehm ist (aber eben trotzdem acht Jahre alt), nur weil ich gerade mit dem Kopf woanders bin und will, dass er Ruhe gibt. Oder alles rund um das mühsamste Erziehungsthema überhaupt: Wie viel wann von welchem Bildschirm erlauben?

Damit tun sich Eltern übrigens deshalb so besonders schwer, weil das Verbot von Bildschirm meist bedeutet, dass man das Kind in der Zeit, in der es sonst beschäftigt wäre, selbst unterhalten muss. Da bekommt man die eigene Konsequenz unmittelbar zu spüren. Passiert das alles zu Hause (oder eben vor dem Eisgeschäft), muss man diese väterlichen Unzulänglichkeiten wenigstens nur mit dem Kind und sich selbst ausmachen. Richtig blöd kann es aber sein, wenn andere dabei sind, und man gezwungen zu sein glaubt, besonders streng oder nachgiebig zu sein, jedenfalls aber anders als sonst. Bei uns nimmt der Älteste zuletzt immer öfter die Rolle einer Art Supernanny ein. Er schaut etwa dabei zu, wie dem Jüngsten zuerst etwas verboten, dann aber eh erlaubt wird, schüttelt den Kopf, lacht und sagt so Sachen wie: „Kein Wunder, das kann ja so nicht funktionieren.“ Und er muss es ja wirklich wissen!

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