Berufsjugendliche Väter

Es heißt ja immer, man sei so alt, wie man sich fühlt.

(c) Carolina Frank

Aber nachdem ich jetzt öfter mit dem Jüngsten auf dem Skaterplatz bin, glaube ich fast, da ist irgendwann einmal der zweite Teil des Sprichwortes verloren gegangen. Tatsächlich ist man nämlich genauso alt, wie man sich fühlt, nachdem man vom Board auf den Beton gestürzt ist. Dem Achtjährigen ist am Tag nach dem Sturz schon wieder nach Skaterplatz zumute, mir immer noch nach neuem Skelett. Auch nach einer Woche lässt die Lockerheit in der Hüfte noch zu wünschen übrig. Überhaupt liegt, in Abwandlung der alten Fußballerweisheit, die Wahrheit auf dem Skaterplatz. Der berufsjugendliche Vater bekommt dort schonungslos den Spiegel vorgehalten. Und zwar in Form der anderen berufsjugendlichen Väter. Hier gibt es nämlich grob eingeteilt drei Gruppen: die Kinder (Fahrradhelm, Scooter oder Skateboard, beherztes Benützen der Rampen), die Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Gesamtkunstwerke in Style, Beweglichkeit und Coolness) sowie die Begleitpersonen (Frauen, die auf der Bank sitzen, sich sonnen, telefonieren oder inzwischen eine Runde laufen gehen, und Männer, die das auch besser täten).

Ich habe natürlich auch mein Skateboard mit (was haben Sie erwartet?), stehe immer überall im Weg herum, bin sehr darauf bedacht, mir ja nicht den Oberschenkelhals zu brechen (man weiß ja, wie das meist endet) und bin nicht nur in der Halfpipe eine ziemliche Pfeife. Dabei gebe ich mir echt Mühe, und wenn mich auf der Stelle eine Fee fragen würde, ob ich lieber „Das Wohltemperierte Klavier“ oder einen lauwarmen Ollie können möchte, müsste ich keine Sekunde überlegen. Der Jüngste hat aufgeschürfte Knie und möchte nach Hause. Ich steige erleichtert und unverletzt vom Board. Vielleicht nehme ich morgen ja ein Buch mit.

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