TV Royal: Die Queen und ihre Kronjuwelen

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Diese Gelegenheit wollte sich denn doch kaum ein Brite entgehen lassen: Nicht wie einst, vor 65 Jahren (also am Vorabend der Krönung von Königin Elizabeth II., am 2. Juni 1953), im regennassen London über Nacht im Freien der "Coronation" entgegen fiebernd, sondern bequem vor ihren TV-Geräten eingekuschelt, konnten ihre Untertanen der britischen Monarchin zusehen, wie sie sich in of course gepflegtem Rahmen mit dem offenkundig verzückten Royals-Experten Alastair Bruce für die BBC unterhielt.

Text: Daniel Kalt

 

Youtube/BBC
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Die Kleinigkeit von 22 Jahren, die Bruce damit zugebracht hatte, die Rahmenbedingungen dieser TV-Konversation auszuverhandeln, wurde im britischen Fernsehen am 14. Januar zu einer einstündigen Sendung zusammengeklopft. Neben der Queen kamen etwa eine ihrer Schleppenträgerinnen aus dem Jahr 1953 und einige der einst in Westminster Abbey engelsgleich aufsingenden Knaben zu Wort.

Reuters
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Im Parlament trägt "one" Krone.

Im Wesentlichen ging es in dem passend betitelten Konversationsformat "The Coronation" um die Erinnerungen der Queen an den Tag ihrer Krönung. Die Hauptrollen nahmen dabei, sehr zur Freude aller Fans von Vielkarätern, die Kronjuwelen ein. Die beiden Kronen, die in jenem fernen Juni das Haupt von Elizabeth II. zieren durften, waren nämlich als funkelnde Special Guests zugegen.

 

(c) imago/United Archives International (imago stock&people)
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Während sie mit der "Imperial Crown" (im Bild) aufgrund wiederholter Berührungen (etwa bei ihren Reden zur Eröffnung des Parlaments) ein ziemlich lockeres Verhältnis hat, näherte sich die Königin der "St. Edward's Crown" (nächstes Bild) mit deutlich mehr Respekt. In ihrer heutigen Form geht diese auf das Jahr 1661 und die Restaurierung der Monarchie in Großbritannien zurück. Der jeweilige Monarch trägt sie nur bei seiner Krönung. Entsprechend fern muteten die Erinnerungen der Queen in der Juwelenkonversation an.

 

Reuters
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Nur der Erzbischof von Canterbury, der Schatzmeister und die Königin haben das Recht, die St-Edward's-Crown zu berühren. Von diesem machte sie in der Tat auch Gebrauch, wennglich etwas zaghaft, und beantwortete ihre eigene Frage ("Ist sie noch immer so schwer?") gleich selbst: "Sie ist es. Sie wiegt eine Tonne."

 

Imago
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Fast liebevoll scheint hingegen das Verhältnis der Queen zu der Imperial State Crown zu sein. Diese zog sie, nachdem der Schatzmeister sie auf einem Tisch vor ihr abgelegt hatte, zu sich und drehte und wendete sie.

Manchen ihrer Untertanen gefiel dies freilich gar nicht: Wie das nicht für die Qualität seiner journalistischen Erzeugnisse bekannte Blatt Daily Mail zu vermelden wusste, zeigte sich mancher geschockt darüber, dass die Königin mit der Krone "wie mit irgendeinem ihrer Hüte" umgehe. Andere freilich begrüßten die Tatsache, dass sie der von Georg IV. entworfenen Preziose keinen übertriebenen Respekt entgegen brachte.

Imago
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Die Rückseite der Imperial Crown.

Den Saphir auf der Rückseite findet die Queen übrigens zumindest praktisch, "weil er anzeigt, wo hinten ist". Bei der Krönung ihres Vaters hatte der damalige Erzbischof zunächst die Vorder- und Rückseite der St-Edward's-Crown nämlich etwa nicht auseinanderhalten können. Mit der von Elisabeth II. offenbar bevorzugten Imperial Crown hätte ihm das nicht passieren können.

Reuters
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Die Königin vor dem Parlament - mit der Imperial Crown.

Besonders gut gefällt der Königin an der Imperial Crown der Black Prince's Ruby (o.l.) - ein roter, unregelmäßig geformter Spinell im Cabochon-Schliff. Die Vorstellung, dass Heinrich V. ihn 1415 als Kopfputz bei der Schlacht von Agincourt mit einer hineingesteckten Feder trug, findet sie offensichtlich recht possierlich.

So oder so seien Kronen, sagt die Königin des Vereinigten Königreichs, relativ unhandlich ("unwieldy"). Dass sie sämtliche zu haltende Reden - solange das Haupt gekrönt ist - vor dem Gesicht vom Blatt ablesen muss, habe, so Elisabeth II, nicht zuletzt gesundheitliche Gründe: "Ansonsten würde einem das Genick brechen."

Ein bisschen Hang zum Drama hat die Queen also offenkundig doch, wenngleich sie sofort einlenkte: "Ein paar Nachteile haben Kronen also. Abgesehen davon sind sie aber recht wichtige Dinge." Je nun: Who would know better than her?

 

Imago
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Stets dabei: eine Handtasche von Launer.

Bei ihrem Fernsehauftritt trug die Queen ein königsblaues Kleid und - natürlich - eines der untrennbar mit ihr verbundenen Handtaschenmodelle der britischen Luxusmarke Launer. 

Die Brosche, die sie trug, hatte sie passend zum Wiedersehen mit ihren Kronen ausgesucht: Der größte je gefundene und als Schmuckstein verarbeitete, farblose Diamant wurde einst in mehrere Teile aufgespaltet. Der größte von ihnen, der "Great Star of Africa" oder Cullinan I. wiegt 530,2 Karat und ziert das Zepter der Kronjuwelen. Cullinan II. ist der zentrale Edelstein in der Imperial Crown und wiegt 317,4 Karat.

Die nächstgrößeren Bruchstücke - der birnenförmige Cullinan III. mit 94,4 Karat und Cullinan IV. mit 63,6 Karat - wurden in einer Brosche zusammengefasst, die die Königin bei ihrem Fernsehauftritt trug: "Ich glaube, es ist das erste Mal, seit der Diamant zerschlagen wurde, dass diese drei wieder aufeinander treffen", sagte sie über Cullinan II., III. und IV.

Nicht nur Rubine und Diamanten beschäftigen Elisabeth II., ein Herz für Perlen hat die Monarchin offenbar ebenfalls: Von zwei der vier tropfenförmigen zentralen Perlen in der Imperial Crown heißt es, sie hätten Maria Stuart gehört und seien später von Elisabeth I. gekauft worden.

"Sie sind jetzt nicht sehr glücklich. Sie sehen nicht sehr glücklich aus", urteilte die Queen und wies darauf hin, wie wichtig es sei, dass Perlen von menschlicher Wärme profitieren würden.

 

Reuters
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Die "schreckliche" goldene Reichskutsche.

Einige der Erinnerungen von Elisabeth II. an ihren Krönungstag waren weniger angenehm. Über die goldene Staatskutsche, in der sie im Schritttempo vom Buckingham Palace zu Westminster Abbey durch London gefahren wurde, sagte sie etwa, sie sei "horrible", da kaum gefedert und somit höchst unbequem.


 

(c) APA/AFP/POOL WPA/ADRIAN DENNIS (ADRIAN DENNIS)
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Das Krönungskleid wiederum, da über und über mit Perlen besetzt und mit Gold- und Silberfäden durchwirkt, sei so steif gewesen, dass sie kaum die Stufen zum Thron erklimmen habe können. "Daran hatte keiner gedacht", fand die Queen ein wenig Anlass zur Rüge.

Alles in allem schwelgte sie freilich mit dem offenbar höchst positiv beeindruckten Alastair Bruce gemeinsam in schönen Erinnerungen: "Es ist der Anfang eines Lebens als Souverän. Ich habe eine Krönung gesehen und eine Krönung empfangen. Das ist doch ziemlich bemerkenswert."

Reuters
Kommentar zu Artikel:

Juwelen-TV mit Elizabeth II.

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