"Stadt der Frauen": Lernen wir sie endlich kennen

Eine Ausstellung im Belvedere zeigt ab Jänner, was Gustav Klimt schon immer wusste: Wien um 1900 war auch ein Wien der Künstlerinnen.

Elena Luksch-Makowsky, „Adoles­centia“, 1903.
Elena Luksch-Makowsky, „Adoles­centia“, 1903.
Elena Luksch-Makowsky, „Adoles­centia“, 1903. – Belvedere, Wien

Funkes „Akt in Spiegel blickend“, 1908/10.
Funkes „Akt in Spiegel blickend“, 1908/10.
Helene Funkes „Akt in Spiegel blickend“, 1908/10 (oben). „Die Träumenden“, 1913 (unten). – Belvedere, Wien
Ein Drittel Künstlerinnen bei Gruppenausstellungen, das ist heute noch gang und gäbe und wird weder positiv noch kritisch bemerkt. Man sollte daran denken: Schon bei der „Kunstschau“ 1908 war ein Drittel der von Gustav Klimt und seinem Kreis eingeladenen Künstler weiblich. 1908! Wer waren diese Frauen? Was ist mit ihnen geschehen? „Diese mutigen, emanzipierten Frauen, die ein wichtiger Teil der Wiener Moderne waren, werden bis heute immer noch unterschätzt und zu wenig wahrgenommen“, so Kuratorin Sabine Fellner. Trotz widriger Bedingungen konnten sie sich Karrieren aufbauen, waren in Ausstellungsbetrieb und Kunstkritik präsent, sagt sie. Die Kuratorin hat sich auf die Suche nach ihnen gemacht, Archive durchforstet und Museumsdepots. „Stadt der Frauen“ heißt die Ausstellung, die daraus entstanden ist und die im Unteren Belvedere ab Ende Jänner zeigen wird, welche Lücken selbst die jüngere Kunstgeschichte aufweist.

Wie Dutzende Frauen aus dieser hinausfielen – denn wer kennt sie heute schon? Elena Luksch-Makowsky, Teresa Feodorowna Ries oder Lilly Steiner? Erstere war übrigens schon ab 1902 in den Gruppenausstellungen der Secession vertreten, Klimt lud bewusst und aktiv Frauen ein. Er hatte auch kein Problem mit dem Kunstgewerbe, das gern marginalisiert wurde. Für die Secessionisten gehörte es zum Gesamtkunstwerk dazu. Viele Frauen wurden in der damaligen Zeit in diese Richtung gedrängt, denn Ausbildungsstätten waren rar gesät. Malerei musste privat gelernt werden, etwa in der 1897 vom Kunstkritiker der „Neuen Freien Presse“ A. F. Seligmann gegründeten „Kunstschule für Frauen und Mädchen“, wo auch Tina Blau unterrichtete, eine der berühmtesten Malerinnen ihrer Zeit. An den Kunstakademien in Europa wurden Frauen erst rund um 1920 zugelassen.

Zusammenschlüsse

Auch in den Künstlervereinigungen gab es keine reguläre Aufnahme für sie, nicht einmal in der Secession, die bei ihren Gruppenausstellungen so offen wirkte. Erst 1949 wurden mit Elfriede Stark-Petrasch, Hedwig Wagner, Margaret Bilger die ersten Frauen akzeptiert, auch sie heute unbekannt. Fellners Ausstellung aber beschränkt sich auf die Jahre 1900 bis 1938. Um sich zu organisieren, schlossen sich die Künstlerinnen zu eigenen Vereinen und Zirkeln zusammen. Zur Gruppe „Acht Künstlerinnen“ etwa, die ab 1901 im Salon Pisko ausstellte. Oder zur Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, gegründet 1910. Auch aus dieser gab es übrigens eine Secession, eine Abspaltung – die „Wiener Frauenkunst“, angeführt von einer gewissen kämpferischen Fanny Harlfinger-Zakucka. Im Unteren Belvedere werden auch wir sie endlich kennenlernen.

Tipp

„Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien 1900–1938“.Unteres Belvedere, 25. Jänner bis 5. Mai 2019. www.belvedere.at

("Die Presse-Kulturmagazin", 19.10.2018)

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