Erlesenes für Margareten

Kerstin Tuma legt in ihrem neuen Geschäft in der Margaretenstraße Wert auf schöne Gestaltung: Klassiker, Naturbücher und Philosophisches.

Eine neue Buchhändlerin im fünften Bezirk: Kerstin Tuma in ihrer Buchhandlung „Métamorphose“.
Eine neue Buchhändlerin im fünften Bezirk: Kerstin Tuma in ihrer Buchhandlung „Métamorphose“.
Eine neue Buchhändlerin im fünften Bezirk: Kerstin Tuma in ihrer Buchhandlung „Métamorphose“. – (c) Stanislav Kogiku

„Buchhandlung“, findet Kerstin Tuma, sei eigentlich gar nicht der ganz korrekte Begriff für ihr Geschäft. „Weil man bei mir nicht erwarten kann, dass ich alles lagernd habe.“ Den Begriff „Buchgalerie“ findet die Wienerin schon passender für ihr Geschäft am Margaretenplatz, dem sie den Namen „Métamorphose“ gegeben hat.

Es ist ein schöner, eleganter Neuzugang im Fünften geworden: In dem Verkaufsraum hat Tuma die Bücher – und hier ist der Galerie-Charakter tatsächlich merkbar – großteils so aufgestellt, dass man die Buchcover von vorne in den Regalen sehen kann – und nicht wie sonst üblich nur die Buchrücken.

Eine ungewöhnliche Anordnung, die verdeutlicht, dass Tuma bei der Auswahl ihrer Bücher („Viel Platz habe ich ja nicht“) viel Wert auf Ästhetik legt. Schön gestaltete Bildbände, hochwertige Natur-, ungewöhnliche Kochbücher (etwa aus dem jüdischen Mandelbaum-Verlag), fast künstlerische Kinderbücher (wie „Der Atlas der Abenteuer“). Aber auch Klassiker (von Musil bis Doderer) finden sich hier, in den „schöneren Ausgaben“.

Aus der unübersichtlichen Flut der Neuerscheinungen versucht Tuma jene auszuwählen, „von denen ich glaube, dass sie die nächsten Klassiker werden“. Grundsätzlich ist ihr – unübersehbar – eine schöne Gestaltung der Bücher wichtig, „aber der Text muss natürlich auch passen“.

Es ist also, wie Tuma sagt, eine „sehr persönliche Vorauswahl“, die sie den Kunden anbietet. Bücher, die man in großen Buchhandlungen (oder gar im Online-Handel) in der Masse leicht übersehen kann, bekommen hier im Fünften das Rampenlicht, das sie in Tumas Augen verdienen. „Natürlich“ habe sie aber auch einige Bestseller – Tuma nennt sie „Stapelbücher“ – im Angebot, „weil es auch unter diesen sehr gute gibt“: Den neuen Harari etwa oder „Warum Liebe endet“ von Eva Illouz. Und: Bestellen kann Tuma auf Wunsch der Kunden (fast) jedes andere Buch.

Nach anderen Jobs und 15 Jahren als Buchhändlerin in einer großen Kette hat sich Tuma ihren Traum von der eigenen Buchhandlung erfüllt. Ein mutiger Schritt in Zeiten wie diesen, in denen der Online-Handel zu- und die Zahl der Bücherleser abnimmt.

Und doch glaubt die Wienerin – die auch in der Café/Buchhandlung-Fusion „phil“ in der Gumpendorfer Straße den Buchhandlungs-Teil mit aufgebaut hat -, „dass das Konzept aufgehen kann“. Weil „gerade in der digitalen Welt der persönliche Kontakt wichtig wird“ und es sehr wohl Menschen gibt, die „es schätzen, in einen kleinen Laden zu gehen, in dem sie nicht von der Masse an Auswahl überladen werden“.

Keine Hektik an der Kassa, keine Musikbeschallung, keine gestressten Mitarbeiter, die in großen Buchläden – auch aus Personalknappheit – oft eher Regalbetreuer sind als echte Fachkräfte. „Eine Beratung kann man dort oft nicht erwarten.“ Genau das kann und möchte Tuma anbieten: „Zeit, mit den Kunden zu reden“.

Buchmeile im Fünften

Dass Tuma, die selbst in der Nähe wohnt, nach längerer Suche nach einem Standort ihre „Métamorphose“-Buchhandlung im Herzen des Fünften eröffnet hat, habe sich zufällig ergeben. „Ich wollte aber unbedingt in der Gegend eröffnen.“ Nicht nur, weil sie nun mit der „Buchinsel“ und „Anna Jeller“ so etwas wie eine kleine Buchmeile in der Margaretenstraße bildet. Sie mag das „sehr gemischte, sehr aufgeschlossene“ Publikum im Grätzel. „Es leben viele weltoffenen Menschen hier“, sagt sie, „und man kommt miteinander wirklich noch ins Gespräch.“

Die ersten Wochen seien gut gelaufen, im Frühling wird die Eröffnungsfeier des „Métamorphose“ nachgeholt. Den Namen hat Tuma übrigens als Hommage gewählt: an Ovids „Metamorphosen“ und Kafkas „Verwandlung“.

AUF EINEN BLICK

„Métamorphose. Buchhandlung nur mit Erlesenem“ heißt die Buchhandlung, die Kerstin Tuma im fünften Bezirk eröffnet hat. Die gelernte Buchhändlerin und studierte Philosophin legt in ihrem Geschäft den Fokus auf schön gestaltete Ausgaben von Klassikern, Bildbände, philosophische Literatur und hochwertige Kinderbücher.

5., Margaretenstr. 71-73. Geöffnet Mo bis Fr 11 bis 18, Sa 10 bis 15 Uhr. 01/544 36 18. www.metamorphose-buch.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2019)

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