Arena Bar: Zeitreise in die 1950er

Helene Wanne führt seit 60 Jahren die unveränderte Arena-Bar in der Wiener Margaretenstraße. Seit zehn Jahren nützt der Aktionsradius das ehemalige Varieté für Kultur.

Helene Wanne und ihr Sohn André im Café-Teil der Arena-Bar. Die Jukebox funktioniert seit geschätzt 20 Jahren nicht mehr.
Helene Wanne und ihr Sohn André im Café-Teil der Arena-Bar. Die Jukebox funktioniert seit geschätzt 20 Jahren nicht mehr.
Helene Wanne und ihr Sohn André im Café-Teil der Arena-Bar. Die Jukebox funktioniert seit geschätzt 20 Jahren nicht mehr. – (c) Akos Burg

Am Ende führt Helene Wanne einen dann doch noch ins Séparée, nunmehr: die Künstlergarderobe. Stolz zeigt sie die Spiegel mit dem eingelassenen Lichtschalter, die ihr Sohn André hier montiert hat. Früher stand hier das Bett. Und in einem Kammerl hängen sogar noch Schwarz-Weiß-Fotos leicht bekleideter Frauen.

Doch das ist Vergangenheit. Sonst allerdings hat sich in der Arena-Bar nicht viel verändert in den vergangenen Jahrzehnten. Vorne im Café? „Die Tapete“, sagt Frau Wanne. Von der Tapete aus Barcelona, die Toreros zeigte, hat sie nur noch ein Stück, eingerahmt bei sich daheim. Die überdimensionale Gitarre über der Bar, die habe es von Anfang an gegeben. Aber dort, wo an der Stirnseite der Konstruktion jetzt ein Stierkopf prangt, da seien Fächer und andere Souvenirs gehangen. „Die haben die Leute mit der Zeit geklaut.“

Viele in Wien wissen nicht, was für eine einzigartige Zeitkapsel sich hinter dem 1950er-Jahre-Schriftzug in der Margaretenstraße verbirgt. Sie seien Leute, die nicht groß trommeln, sagt André Wanne. So muss man sich an diesem Vormittag auch die Umstände, die der Firmengründung vorausgegangen sind, zusammenreimen. Ihr Mann sei, „sagen wir, nicht geborener Franzose“, formuliert Frau Wanne, den Krieg habe er in Spanien verbracht. Sie selbst stammt aus Innsbruck; „aber das musste ja judenrein sein“, fügt sie an und unterbricht sich gleich wieder. „Ich will das nicht betonen.“ 1957 hatten sich die beiden kennengelernt, 1959 eröffneten sie die Arena-Bar. Ein kleines Moulin Rouge hatte ihr inzwischen verstorbener Mann Mendel im Kopf gehabt, aber inspiriert von Spanien, in das er sich verliebt hatte. Österreichs einziger Torero trat hier auf und hielt mithilfe eines frühen Filmprojektors Vorträge über Spanien, das damals der letzte Schrei war. Die Lampe im rot geplüschten Bühnenraum, der erst etwas später dazukam, ist mit Stierkampfmotiven bemalt, eine Flamencotänzerin trat hier auf. „Aber die hat dem Adabei nicht gefallen, weil sie so dicke Füße hatte.“

Heute ist sie „Bar der Künste“

Über die Jahre war die Arena-Bar vieles. Varieté, Café-Restaurant, Tanzcafé, Striptease-Stätte, Rotlicht-Etablissement. Später entdeckte man sie als Veranstaltungsort. Conchita moderierte hier in ihren Anfängen Burlesque-Shows, man feierte Geburtstage und Weihnachtsfeiern, auch die WU mietete sich ein. Und auch Angebote verschiedener Gruppen für Veranstaltungsreihen gab es immer wieder, sagt André Wanne, der eigentlich eine Videoproduktionsfirma betreibt und seiner Mutter bei Organisation und Technik hilft. Die meisten seien wenig seriös gewesen, aber dann habe Robert Sommer, ehemaliger Chefredakteur des „Augustin“, die Bar entdeckt. Über Sommer kam der Kontakt zum Verein Aktionsradius zustande; am 29. Jänner 2009 lud man zur „Prima Notte Surreal“. Seither hat der Aktionsradius die Arena als „Bar der Künste“ positioniert. „Ein tolles Team“, lobt Wanne dankbar. Sommer selbst führt die Literaturreihe „Bar ohne Eigenschaften“. Martha Laschkolnig und Silvia Spechtenhauser organisieren die Varieté-Reihe „Soirée Eléctrique“, Robert Fischer führt die Singer-Songwriter-Musikreihen „Frauen:Musik“ und „Tribute to“, einmal im Quartal gibt es einen Rotlicht-Poetry-Slam.

Und immer stand Helene Wanne im Lokal. Ihr Sohn nennt sie die „Frau Hawelka des 5. Bezirks“. Mit 91 kommt sie in ihrem VW Up aus dem 2. Bezirk angefahren, betreut die Bar von acht Uhr abends bis zwei Uhr in der Früh. Sie trägt Bluse mit Brosche, den geflochtenen Zopf hält ein Gummiringerl, sie spricht das gepflegte Wienerisch einer vergangenen Zeit. Zwischendurch zeigt sie Fotos ihrer Enkel auf dem Smartphone, klettert behände auf einen Schemel, um an die Therme zu gelangen. Und beklagt sich doch über das Alter. Die Füße wollen nicht mehr so richtig, „ich finde nichts Schönes daran“. Letzte Nacht hat sie nicht einmal geschlafen ob der Aufregung angesichts des Jubiläums. Für die Feier am Dienstagabend schickt der Aktionsradius sogar eine Limousine.

Auf einen Blick

Die Arena-Bar wurde 1959 von Helene Wanne, einer gelernten Buchhalterin, und ihrem Mann, Mendel, eröffnet. Seit zehn Jahren bespielt sie der Verein Aktionsradius als „Bar der Künste“. Am 29. Jänner gibt es eine Jubiläumsrevue mit einer Doku von Fritz Ilger und Auszügen aus den einzelnen Kulturschienen. Am 1. Februar gibt es ein Jubiläumskonzert mit Tini Trampler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2019)

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