Kunst kaufen in Ottakring

Sonja Gansberger und Florian Appelt führen die Galerie „Die Schöne“. Jetzt verkaufen sie auch „Kunst ab Hinterhof“ – vor Ort und online.

Florian Appelt und Sonja Gansberger im Verkaufsraum von „Kunst ab Hinterhof“.
Florian Appelt und Sonja Gansberger im Verkaufsraum von „Kunst ab Hinterhof“.
Florian Appelt und Sonja Gansberger im Verkaufsraum von „Kunst ab Hinterhof“. – (c) Stanislav Kogiku

Genau genommen ist es gar kein Hinterhof – oder wenn, dann jener der Ottakringer Brauerei. Ziemlich genau hinter dieser, in einer kleinen Querstraße der Thaliastraße, liegt eigentlich ein Unternehmen, das Autos zu Spezialfahrzeugen umbaut. Auch im Hof nebenan stehen einige Rettungsautos, doch die Street Art an den Mauern deutet noch auf etwas anderes hin: Hier residiert, in ungenutzten Räumen im ersten Stock des Industriebaus, auch „Die Schöne“.

Der 400 Quadratmeter große Raum mit der riesigen Fensterfront versteht sich als Galerie, aber auch als Experimentierfläche, als Produktionswerkstatt und Off-Space. Theater und Performances finden hier ebenso statt wie die kulinarischen Gelage von einsundeinsdeluxe. Dahinter stehen zwei Kunstfreunde, die eigentlich in anderen Berufen arbeiten und die lieber anonym bleiben wollen. „Vor 200 Jahren hätte man sie Mäzene genannt“, sagt Sonja Gansberger. Sie und der Künstler Florian Appelt fungieren daher als Organisatoren und Gesichter der „Schönen“. Und führen gemeinsam an diesem Tag durch die Räume.

Als einer von fünf Künstlern, die hier auch Ateliers haben, hält Appelt derzeit als einziger kältefest die Stellung – und nimmt als Siebdrucker schon einmal in Kauf, dass ihm das Wasser einfriert. Nichtsdestotrotz hat vergangene Woche mit der „Kunst & Wunderkammer“ schon die erste Ausstellung des Jahres stattgefunden, und soeben haben Gansberger und Appelt ihr neuestes Projekt gestartet. „Kunst ab Hinterhof“ sei dabei vor allem eine logische Erweiterung der „Schönen“. Der Tenor sei immer gewesen, „dass die Künstler froh sind, sich hier zeigen zu können“, sagt Gansberger. Was fehle, sei eine Plattform, um die Arbeiten – über die Ausstellung hinaus – verkaufen zu können. Zumal der Andrang in der Galerie groß ist, meist haben die Künstler sie nur für eine Woche zur Verfügung. „Hier haben sie die Möglichkeit, ihre Arbeiten in einem großen Raum zu zeigen. Aber in einem Off-Space im 16. erzielt man keine tollen Verkaufszahlen.“

Deshalb gibt es mit „Kunst ab Hinterhof“ nun einen permanenten Verkaufsraum, der jeden Donnerstag und Freitag geöffnet ist, vor allem aber einen Online-Shop, in dem man stöbern und nach Künstlern auswählen kann, aber auch ganz profan und alltagstauglich nach Größe, Farbe und Preis. Vor allem im Bereich der Drucke ist man auch mit zweistelligen Beträgen schon dabei. „Die Individualisierung nimmt zu“, sagt Gansberger. Da kaufe man doch lieber einen Druck „als ein Bild von Ikea – und die Preisklasse ist ähnlich“. Appelt blättert in einer Mappe, zeigt eine Radierung um 75, einen Linolschnitt um 145 Euro.

 

Bier und Billardtisch

Der Umgang mit den Künstlern sei dabei sehr frei. Appelt war selbst Student an der Angewandten, kennt die Schwierigkeiten für junge Künstler – und die Hemmschwelle von Galerien für Konsumenten. Er habe selbst in Sammlungen, Auktionshäusern und Galerien gearbeitet, „aber ich finde es nach wie vor unangenehm, in eine Galerie zu gehen, wo ich weiß, was der Galerist von mir denkt und wo ich nach dem Preis fragen muss“. Im Hinterhof ist jedes Werk on- wie offline preislich ausgeschildert, bewusst verzichtet Appelt auch auf „komplizierte Texte mit vielen Fremdwörtern, die oft nicht einmal die Künstler verstehen“.

Stattdessen gibt es in Ottakring einen Kühlschrank mit Bier und einen Billardtisch. „Wir wollen normal verdienenden Menschen die Möglichkeit geben, Kunst einzukaufen, ohne sich blöd vorzukommen.“ Das sei auch bei „Kunst und Käse“ so gewesen; die Kurationsplattform hatte Appelt noch während seines Studiums erfunden und im Schikaneder, später in der „Schönen“ präsentiert. Deren Financiers pflegen einen ähnlichen Zugang. „Ich hab zwar eine Weile gebraucht, bis ich kapiert habe, dass sie es ernst meinen“, sagt Appelt. „Aber auch die wollen es wirklich rockig.“

AUF EINEN BLICK

Die Schöne versteht sich als ein Ort zum Ausprobieren. Er wird als Galerie genutzt, aber auch für Performances, Theater oder für kulinarische Gelage. Als Organisatoren fungieren Sonja Gansberger und der Künstler Florian Appelt. Neuestes Projekt der beiden ist die Verkaufsplattform „Kunst ab Hinterhof“. Online und in einem Verkaufsraum gibt es Kunst vom kleinen Druck bis zur großformatigen Leinwand. Donnerstag 12 bis 17 Uhr, Freitag 15 bis 19 Uhr, Kuffnergasse 7.

Web: www.kunstabhinterhof.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2019)

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