Theresa Prammer: Wasser, Melonen und die Liebe

Theresa Prammer kennt man als Schauspielerin und wegen ihrer Krimis, nun legt sie einen Roman vor. Über eine lange Familiengeschichte – und Wasser.

Autorin, Schauspielerin, Regisseurin: Theresa Prammer in Wien.
Autorin, Schauspielerin, Regisseurin: Theresa Prammer in Wien.
Autorin, Schauspielerin, Regisseurin: Theresa Prammer in Wien. – (c) Clemens Fabry

Für Theresa Prammer ist ein Glas Wasser nicht nur ein Glas Wasser. Nicht mehr, seit sie ihr jüngstes Buch „Auf dem Wasser treiben“ geschrieben hat, beziehungsweise seit den Recherchen dazu. „Wasser ist ein Lebewesen“, sagt Prammer, zitiert dabei den Wissenschaftler Adam Wexler. Seit sie vor rund zwei Jahren dessen TEDx-Talk „The Bridge between Water And Life“ gesehen hat, lässt sie das Thema nicht mehr los.

Schließlich geht es dabei, beim Wasser wie in ihren Büchern, um große Fragen. Was hält Menschen in ihrem Innersten zusammen? Was ist das Geheimnis von Anziehung, von Beziehungen? Und gibt es vielleicht sogar etwas wie eine Formel, die das alles, die Anziehung, die Liebe, erklärt?

„Wir bestehen zu 70 Prozent aus Wasser, wir sind quasi Wassermelonen“, sagt die Autorin. Wasser ist magnetisch geladen, die Protonen suchen Verbindungen. Menschen suchten ebenso nach Verbindungen, erzählt Prammer von ihren Erkenntnissen übers Wasser – diese waren zugleich Anstoß für ihren neuen Roman.

„Wir sind quasi Wassermelonen“

In diesem geht es um einen Mann, einen Wasserwissenschaftler, der eben diese Verbindungen erforscht, schließlich kann er mit Experimenten nachweisen, dass die Moleküle im Menschen nach Verbindung streben – aber bei ihm funktioniert das nicht. Seine Verbindungen kommen ihm immer abhanden, die Frauen laufen dem schönen Forscher davon, das ist offenbar so, seit sein Vater vor vielen Jahren über Nacht verschwunden ist. Dann verschwindet auch die Mutter, und langsam scheint sich das Rätsel, das ihn und seine Geschwister ihr Leben lang nie losgelassen hat, zu klären.

Mit „Auf dem Wasser treiben“ begann auch für Theresa Prammer ein neues Kapitel. Prammer, Jahrgang 1974, hat zunächst als Schauspielerin für Aufsehen gesorgt. Sie war am Wiener Burgtheater, an der Volksoper, in der freien Szene oder diversen Filmen zu sehen. Parallel dazu hat Theresa Prammer immer geschrieben – schon als Kind, erzählt sie. „Ich habe Bücher geliebt, Nöstlinger, Edgar Allan Poe, und die Schule gehasst. Als Zehnjährige habe ich dann Geschichten geschrieben“, sagt sie, „zum Beispiel über ein Mädchen, das einen Brief bekommt, in dem steht, sie muss jemanden umbringen. Das ist nicht so gut angekommen“, sagt sie und lacht. Den Drang zum Düsteren hat sie dann später in ihren Büchern ausgelebt. Seit ihrem Debütroman „Die Rettung der Regenwürmer“ 2013 hat sich Prammer vor allem mit Krimis einen Namen gemacht. „Wiener Totenlieder“ (ausgezeichnet mit dem Leo-Perutz-Preis) etwa, einen Krimi über eine Mordserie in der Staatsoper, der Auftakt einer Reihe um Ermittlerin Carlotta Fiore.

„Die Krimis und jetzt der Roman unterscheiden sich beim Schreiben nicht zu sehr, mit dem Verschwinden startet ja ein ähnlicher Prozess. Nur dass man beim Roman noch mehr auf das Innenleben der Personen eingehen kann.“ Beim Roman wie bei den Krimis widmet sie sich intensiv der Recherche. Für die Krimis hat die Autorin bei Forensikern, bei Gefängnispsychologen und Psychiatern recherchiert. „Die Frage ist immer: Warum wird jemand böse? Wenn es nach all den Gesprächen ein Gemeinsames gibt, ist es, dass in der Kindheit etwas passiert sein muss, das jemand nicht verkraften kann.“ Und ebenso hat sie für das neue Buch viel mit besagtem Wasserwissenschaftler konferiert.

Bücher verbinden

Das Theater hat sie dennoch nicht losgelassen, parallel zum Schreiben arbeitet sie mit ihrem Mann, Joseph Prammer, an den Komödienspielen Neulengbach. Diese haben die beiden 2006 gegründet, heuer wird das Stück „Ladies Night“ nach dem Film „Ganz oder gar nicht“ gezeigt. Und immerhin kann sie die Leidenschaft fürs Schauspiel auch aktuell, bei Lesungen und Promotion-Auftritten, ausleben.

„Ich liebe es!“, sagt Prammer zu dem, was für viele Autoren mehr Qual ist. „Ich kann das Schauspiel ausleben, und ich lerne gern die Leute kennen, die meine Bücher lesen“, sagt sie – schließlich geht es auch da wieder um Verbindungen: „Man hat das Gefühl, sich zu kennen, obwohl man sich nicht kennt, man hat eine Verbindung ohne eine eigentliche Verbindung, das ist sehr schön.“

ZUR PERSON

Theresa Prammer, geboren 1974 in Wien, ist Autorin, Schauspielerin und Regisseurin. Ihr jüngster Roman „Auf dem Wasser treiben“ ist kürzlich im Verlag Ullstein/List erschienen. Theresa Prammer ist derzeit auch bei Lesungen mit ihrem Buch unterwegs: In Wien etwa am 14. 3. in der Buchhandlung Erlkönig (Strozzigasse, 1080), am 30.4. bei Kuppitsch (Schottengasse, 1010) oder am 18.5. bei den Währinger Literaturtagen. Infos und Termine: www.theresaprammer.com.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2019)

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