Gospel Dating Service: So wie Tinder, nur ohne Gitarre

Mit ihrem zweiten Album „Sun over Moon“ wollen Gospel Dating Service ihre bunte Welt aus Indie und Soul auch über Österreichs Grenzen hinaus tragen.

Zwei Drittel des Gospel Dating Service: David Ruhmer (l.) und Christoph Ertl.
Zwei Drittel des Gospel Dating Service: David Ruhmer (l.) und Christoph Ertl.
Zwei Drittel des Gospel Dating Service: David Ruhmer (l.) und Christoph Ertl. – (c) Katharina F.-Roßboth

Der Name ist irreführend. „Und ja, wir haben schon überlegt, eine tolle Geschichte dazu zu erfinden“, sagt Sänger Christoph Ertl, „aber eigentlich wollten wir einfach diese drei Wörter.“ Und so heißt die Band eben „Gospel Dating Service“. Ein Name, der dem in Wien lebenden Trio mit Wurzeln in Salzburg und Oberösterreich auch immer wieder Anfragen aus dem englischsprachigen Raum bringt, ob sie tatsächlich Partner vermitteln.

Nun, nicht hauptberuflich. „Aber“, sagt Schlagzeuger David Ruhmer, „wir bringen die Leute zamm – ein Pärchen hat uns einmal erzählt, dass wir die einzige Musik machen, die sie auch gemeinsam hören.“ Immerhin, die Assoziation mit Tinder & Co. schadet also zumindest nicht. Und wie schaut es mit dem Gospel im Namen aus – führt das auch auf die falsche Fährte? „Es ist nicht Gospel im eigentlichen Sinn“, meint Ruhmer, „aber es hat sehr viel Soulcharakter.“

An sich schon 2011 gegründet, hat man sich zunächst vor allem live versucht, dadurch an Profil gewonnen. 2016 kam dann das erste Album „Champagne“, nun steht mit „Sun over Moon“ das zweite Album an. Musikalisch bewegen sich die drei Musiker zwischen Indie-Pop und Soul – wobei man dabei komplett ohne Gitarre auskommt. „Anfangs hatten wir schon noch eine Gitarre dabei“, sagt Sänger Christoph Ertl. Doch dann sei David Resch, der dritte Mann im Trio, auf den Bass umgestiegen. Und so spielt man nun eben nur noch mit Bass, Piano und Schlagzeug. „Und das hat uns schon einen eigenständigen Charakter verliehen.“

 

Bunt als Gesamtkonzept

Bunt. Dieses Wort ist der Band besonders wichtig. Wenn sie von ihrer Musik sprechen, von ihrem Image, aber auch vom neuen Albumcover, das die drei Musiker in sehr gelber Umgebung zeigt. „Uns ist wichtig, dass es bunt wirkt“, sagt Ertl. „Denn wir fühlen uns auch so.“ Und es gehört irgendwie auch zum Gesamtkonzept. So wie die Kleidung, die einen Vintage-Flohmarkt-Charme versprüht – und zum Teil tatsächlich Second Hand aus dem Humana-Shop ist, wie David Ruhmer erzählt. „Weil man dann nichts von der Stange trägt, sondern quasi ein Einzelstück.“

Gut, und das Publikum? Das sei, man ahnt es schon, natürlich auch bunt. „Wir haben viele über 30, aber auch Mittzwanziger“, meint Ruhmer. Die ganz jungen würden eher nicht zu ihren Konzerten kommen – „bei uns fängt es eher ab 18, 20 Jahren an.“ Aber über das Alter des Publikums mache man sich vorher ohnehin keine Gedanken: „Wir haben nie gesagt, dass wir Musik für eine bestimmte Zielgruppe machen, sondern haben einfach einmal gemacht.“

Dazu gehört auch, dass die Texte allesamt auf Englisch gehalten sind. Auch, wenn gerade Bands aus Österreich mit deutschen Texten besonders große Erfolge gefeiert haben. „Wir haben vor zwei, drei Jahren in München gespielt, als Wanda gerade sehr groß waren“, erzählt Ruhmer. „Da haben mich Leute angeredet, dass sie nicht verstehen, warum wir nicht auf Wienerisch singen.“ Bilderbuch und Wanda, die würden das schon sehr gut machen. Aber nur weil es bei denen gut funktioniert, müsse man nicht plötzlich auch deutsche Texte schreiben. „Und wir bekommen auch Rückmeldung aus Amerika von Leuten, die uns hören. Der internationale Aspekt spielt da auch eine Rolle.“

Amerika, das ist natürlich noch weit weg. Bei der aktuellen Tournee spielt man vor allem in Österreich, unter anderem geht es für einen Termin auch nach München. Aber irgendwann, so die Vision der Band, soll es auch verstärkt auf die internationale Bühne gehen. Denn der Markt in Österreich sei schon recht klein, meint Christoph Ertl, „da muss man schon noch zulegen“.

 

Zugriffe aus Deutschland

Weitere Termine für Deutschland will man angehen, sobald man auch Vinyl vom neuen Album verschicken kann – damit es greifbarer wird. Beim Streaming merke man aber jetzt schon, dass es viele Zugriffe aus Deutschland gibt.

Aber auch innerhalb Österreichs gibt es noch Ziele. Im Oktober gibt es etwa ein Wien-Konzert im Flex. „Und einige Städte wollen wir uns auch noch mehr erspielen – Graz, zum Beispiel, meint Ertl. „Da muss man auch sagen: Wir sind noch nicht an der Grenze angestoßen.“

Die Band

Gospel Dating Service besteht aus Christoph Ertl (Gesang, Keyboards), David Resch (Bass) und David Ruhmer (Schlagzeug). „Sun over Moon“, das zweite Album der Band, erscheint am 7. Juni.

Live ist die Band rund um den Albumrelease zweimal bei freiem Eintritt zu sehen: am Donnerstag, 6. Juni, im Wiener Museumsquartier und am Samstag, 8. Juni, im Salonschiff Fräulein Florentine in Linz.

Web: www.gospeldatingservice.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2019)

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