Devid Striesow: Hauptsache Bühne

Devid Striesow ist in Wien für „Die Unmöglichen“ zu Gast – und erzählt, wie er von einer Goldschmiedlehre über die E-Gitarre zum Theater kam.

Devid Striesow ist kommende Woche in der Wiener Stadthalle mit Kollegen zu Gast.
Devid Striesow ist kommende Woche in der Wiener Stadthalle mit Kollegen zu Gast.
Devid Striesow ist kommende Woche in der Wiener Stadthalle mit Kollegen zu Gast. – (c) Stanislav Kogiku

Es ist ein eher unheimlicher Blick in die Zukunft, der bei der szenischen Lesung „Die Unmöglichen“ gemacht wird. Es geht um ein Ehepaar, das sich für eine künstliche Befruchtung entscheidet. Es geht um pränatale Diagnostik, die so weit ausgereift ist, einen Genfehler auszuschalten. Und es geht um die Frage, welche der drei möglichen befruchteten Eizellen der Frau eingesetzt werden sollen – inklusive Sinnieren darüber, zu welchen Menschen sich die drei Embryonen entwickeln würden.

In dem „Live-Hörspiel“, wie es Devid Striesow nennt, wird also ein vielen unheimlicher Blick in die Zukunft gewagt. Der deutsche Schauspieler – der aus dem „Tatort“, als Bösewicht in „Die Fälscher“ oder auch als Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“) bekannt ist – mimt dabei eines der möglichen Kinder. Striesow ist eigentlich nur für einen Kollegen eingesprungen (Matthias Koeberlin ist in Dreharbeiten verpflichtet), hat das kurze Wien-Gastspiel aber zum Anlass genommen, mit der „Presse“ über sich und seinen Zugang zur Arbeit zu plaudern.

„Was mich gereizt hat, ist, das Thema auf diese Weise aufzuarbeiten. Die Frage, was könnte passieren, wenn“, sagt Striesow. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen – Jan-Josef Liefers, Meret Becker, Claudia Michelsen, Ronald Zehrfeld und August Zirner – habe ihn gereizt. Und die Art und Weise, wie das Stück präsentiert wird, nämlich in Form eines Live-Hörspiels, denn für eine Lesung wird hier eindeutig zu viel gespielt.

„Etwas mit der Bühne machen“

Das sei es auch, was für den Schauspieler, der am Theater ebenso tätig ist wie für Film und Fernsehen, der Grund ist, diesem Beruf nachzugehen: dass man eben live vor einem Publikum stehe, das durch Applaus, Stille oder Verstörung reagiert. „Dieses ganzkörperliche Sich-Aussetzen vor Publikum, da liegt der Reiz drinnen. Das ist das Spannende am Live-Act und am Theater, dass das Publikum mit dabei ist“, sagt Striesow, der in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist und eigentlich Goldschmied werden wollte. Einen Vertrag für die Lehre hatte er schon in der Tasche, dann kam aber die Wende, und der Goldschmied, bei dem er lernen sollte, ging pleite. Also hat er das Abitur nachgemacht, Klavier gelernt und E-Gitarre studiert. Ein Zufall hat ihn zur Schauspielerei gebracht. Sein E-Gitarre-Lehrer sollte eingespart werden, weil Devid Striesow sein einziger Schüler auf dieser Hochschule war (Striesow verdankt die ungewöhnliche Schreibweise seines Vornamens übrigens dem Atheismus seiner Eltern, um keine Verbindung zum biblischen David herzustellen).

Den vorgeschlagenen Umstieg auf die klassische Gitarre hat er abgelehnt. Also hat er sich einen anderen Beruf gesucht, der „etwas mit der Bühne zu tun hat“. „Die Interaktion mit dem Publikum war meine Intention. Die kenne ich seit meinem 15. Lebensjahr, damals hab ich noch Geige in einer Band gespielt. Ich wollte diese Aktivität in den Vordergrund stellen, von Schauspielerei hatte ich damals keine Ahnung“, sagt Striesow. Mittlerweile hat sich das massiv geändert. Auch wenn er selbst meint, er arbeite nicht viel, hat das dennoch den Anschein. Aktuell ist er in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ im Deutschen Schauspielhaus sowie in „Unendlicher Spaß“ in der Volksbühne Berlin zu sehen. Am 11. Juni gastiert er mit seinen Kollegen für „Die Unmöglichen“ in der Wiener Stadthalle, um dann am nächsten Tag das Stück in Berlin zu lesen oder vielmehr zu spielen. Danach geht es gleich weiter zu Dreharbeiten nach Chile, wo die Serie „Colonia Dignidad“ gedreht wird. Die nächste Theaterarbeit ist mit „Iwanow“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg in Planung.

„Wenn ich arbeite, arbeite ich sehr intensiv, aber ich kann mir auch gut meine Pausen organisieren. Ich bin ja nirgends angestellt, hab auch keine gute Routine. Ich muss einfach punktuell da sein und 120 Prozent geben“, sagt der 45-Jährige, der auch einen speziellen Bezug zu Wien hat, ist er doch seit dem Vorjahr mit einer Wienerin verheiratet. „Mein jüngster Sohn ist auch in Wien geboren. Es gibt private Gründe, warum wir in Berlin leben.“ Wien sei aber eine tolle Stadt und habe ein „tolles Theater“, sagt er in Hinblick auf das Burgtheater. Bis jetzt sei die Lesung „Die Unmöglichen“ allerdings das erste Live-Gastspiel in der Stadt, gedreht hat er in Wien schon öfter. Aber das könne ja noch werden.

ZUR PERSON

Devid Striesow wurde 1973 in der ehemaligen DDR geboren. Der Schauspieler ist für Theater, Film und Fernsehen tätig. Er ist u. a. für seine Rollen als Tatort-Kommissar, als SS-Offizier in „Die Fälscher“ oder als Hape Kerkeling in „Ich bin dann mal weg“ bekannt. Am 11. Juni ist Striesow in der Wiener Stadthalle mit dem Stück „Die Unmöglichen“ (der Produzentin Simone Henke, angelehnt an das Hörspiel von Plamper/ Kamphausen) zu sehen. In der szenischen Lesung geht es um das Thema pränatale Diagnostik. devid-striesow.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Devid Striesow: Hauptsache Bühne

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.