Der Wein als Vorbild fürs Bier

Nach einer Art Erweckungserlebnis in den USA hat Filmemacher Friedrich Moser einen Film über Bier gemacht. Der soll Lust auf Vielfalt machen.

Friedrich Moser an der Bar des Ammutsøn in Wien Mariahilf – in dem auch sein Film beginnt. Das Bier ist von „Bierol“.
Friedrich Moser an der Bar des Ammutsøn in Wien Mariahilf – in dem auch sein Film beginnt. Das Bier ist von „Bierol“.
Friedrich Moser an der Bar des Ammutsøn in Wien Mariahilf – in dem auch sein Film beginnt. Das Bier ist von „Bierol“. – (c) Mirjam Reither

Alles begann in Washington. Der Filmemacher Friedrich Moser drehte dort vor fünf Jahren gerade einen Film über die NSA, landete eines Abends in einer Bierbar. Und bestellte dort auf Empfehlung des Barmanns sein erstes Craft Beer. „Das hat mir vollkommen das Hirn rausgehaut“, sagt er. „Diese Art von Aromatik hatte ich bei Bier bis dahin nicht gekannt, der Geschmack ist mir tagelang nicht aus dem Kopf gegangen. Das hat mich nicht mehr losgelassen.“

So sehr, dass der 49-Jährige, der in früheren Dokumentarfilmen unter anderem Lobbying und Intransparenz in Brüssel, Terrorjagd im Netz und eben die NSA beleuchtete, letztlich einen Film herausbrachte, der kommenden Freitag in die Kinos kommt. Ein Film, für den Moser unter anderem zu jungen Bierbrauern nach Tirol reiste, unabhängige Brauer in den USA besuchte und in Belgien in Kellern mit jahrzehntealten Bierflaschen stöberte.

Die Idee, aus seiner Begeisterung tatsächlich einen Film zu machen, sei natürlich wieder beim Biertrinken entstanden, erzählt Moser mit oberösterreichischem Einschlag. Konkreter, in einem Pub in Sheffield, wo er sich mit einem Kollegen über die Hintergründe von Bier austauschte und sich fragte, ob diese wohl schon entsprechend filmisch dokumentiert seien. Eine kurze Recherche habe ergeben: nein. „Wir haben uns gesagt: Den machen wir.“

„Wir wollen ein Fenster aufmachen in die Welt hinter dem Bier“, sagt Moser. „Man kennt das Produkt, weiß in der Regel aber nicht genau, wie es erzeugt wird. Das ist ein großer Unterschied zum Wein, der eine viel längere Tradition hat, die gesamte Story dahinter zu erzählen.“ Gleichzeitig wolle er auch die Bandbreite an Bier vorstellen. „Und Lust machen auf die unglaubliche Vielfalt, die es gibt.“

In puncto Vielfalt hat Moser – dessen Begeisterung für Bier unverkennbar ist – fast eine Art Mission. In Österreich sei trotz des hohen Bierkonsums noch sehr viel Aufholbedarf. „Die Vielfalt ist noch nicht so ausgeprägt wie anderswo“, sagt er. Auch wenn es inzwischen mehr sogenannte Craft Biere gibt als nach seinem Erweckungsmoment in den USA, sei Lagerbier hierzulande dominant: Helles, Pils, Märzen, Zwickel. Absolut noch nicht eingestiegen sei man etwa in die Welt der Ales, der Sauerbiere, der Stouts.

„Das war früher beim Wein nicht anders“, sagt Moser. „Als ich jung war, hat es einen Roten gegeben und einen Weißen – und meistens im Doppler. Es gab da praktisch keine Auswahl.“ Mit der Weinwirtschaft habe die Weinwirtschaft sich adaptieren müssen, es habe einen Schub bei Qualität und bei Vielfalt gegeben. Einen solchen Schub wünsche er sich auch fürs Bier. „Wir müssen dorthin mit dem Bier, wo wir beim Wein schon sind, die Weinkultur ist der Maßstab für das Bierland Österreich“, sagt der Filmemacher. „Wenn ich beim Wirt bin und der hat nur Rot und Weiß, dann weiß ich genau: Dort werde ich keinen Wein trinken.“

 

„Möglichst viel, möglichst billig“

Das Problem sei, dass Bier durch die leichtere industrielle Verarbeitbarkeit und dadurch Homogenisierung des Geschmacks zu einem Getränk ohne wirkliche Wertschätzung geworden sei, sagt der Filmemacher. „Es ist dieses Massengetränk, bei dem es darum geht, sich einen Rausch anzutrinken, möglichst viel zu trinken, möglichst billig. Davon müssen wir weg.“ Bei stark gehopften Bieren etwa passiere das sowieso automatisch: „Da trinkt man keine fünf Bier, weil die so intensiv sind. Nicht einmal fünf Seidel.“

Dass von den vielen Bierstilen, die es gibt, nicht jedes jedem schmecke, sei auch klar, sagt er: Der eine möge kein Bitter, der andere könne vielleicht mit hefelastigen Bieren nichts anfangen. Und auch er selbst trinke nicht immer Craft Beer, sondern durchaus auch Biere von größeren heimischen Traditionsbrauereien – solang diese nicht von einem großen Konzern kontrolliert würden, Stichwort Brauunion. „Je nachdem, worauf ich Lust habe.“

ZUR PERSON

Friedrich Moser (49) hat mehr als 20 Dokumentationen gemacht, unter anderem die Filme „The Brussels Business“ über Entscheidungsprozesse in der EU und „A Good American“ über den NSA-Whistleblower William Binney. Seine TV-Dokumentation „Terrorjagd im Netz“ wurde im Vorjahr für den Grimme-Preis nominiert. Sein aktueller Film („Bier! Der beste Film, der je gebraut wurde“) kommt am 30. August in die österreichischen Kinos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2019)

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