Die dunklen Seiten des Michael Jackson

Die Doku „Leaving Neverland“ hat in den USA eine Kontroverse ausgelöst: Zwei Männer berichten darin, wie der King of Pop sie jahrelang sexuell missbraucht habe. Einige Radiosender wollen nun Jackson-Songs boykottieren.

Das Idol und sein Bewunderer: Michael Jackson und James Safechuck 1988 im Tourflugzeug. James war damals zehn Jahre alt.
Das Idol und sein Bewunderer: Michael Jackson und James Safechuck 1988 im Tourflugzeug. James war damals zehn Jahre alt.
Das Idol und sein Bewunderer: Michael Jackson und James Safechuck 1988 im Tourflugzeug. James war damals zehn Jahre alt. – (c) Getty Images

Neverland/Wien. Mit zitternden Fingern hält er den kleinen Diamantring in die Kamera. Der King of Pop persönlich hat ihm das kostbare Schmuckstück geschenkt. „Wir taten so, als ob wir heiraten würden. In seinem Schlafzimmer“, erzählt James Safechuck. „Er gab ihn (den Ring, Anm.) mir im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten.“

In dem zweiteiligen Film „Leaving Neverland“, dessen Ausstrahlung auf dem Bezahlsender HBO diese Woche die amerikanische Öffentlichkeit erschütterte, erheben der heute 40 Jahre alte James Safechuck sowie der 36-jährige Wade Robson schwere Vorwürfe gegen die 2009 verstorbene Pop-Ikone Michael Jackson. Über Jahre hinweg habe sie der Sänger immer wieder sexuell missbraucht, „Hunderte Male“, sagt Safechuck, bis zu seinem 14. Lebensjahr.

Die beiden Männer erzählen in der vier Stunden langen Doku, wie sie Michael Jackson als Zehn- bzw. Siebenjährige kennenlernten. Robson hatte einen Tanzwettbewerb gewonnen, Safechuck durfte in einem Pepsi-Werbespot gemeinsam mit seinem Kindheitsidol auftreten. Jackson freundete sich mit den Familien an, die Kinder durften schließlich auf Tourneen mitfahren und ihn auf der Neverland-Ranch besuchen. „Er tat uns leid. Er war so ein einsamer Mensch“, sagt Safechucks Mutter in die Kamera. Während die Kinder mit Jackson in einem Bett schliefen, waren die Familien weit entfernt auf dem Anwesen untergebracht. Ein „meisterhafter Manipulator“ sei er gewesen, sagt Robson. Aber auch ein gütiger, sanfter, liebenswürdiger Mensch.

Er überhäufte die Kinder auf der Neverland-Ranch mit Geschenken, es gab Kinofilme und Süßigkeiten ohne Ende. Alle liebten Michael. Er habe seinem Idol voll vertraut und gemacht, was der Sänger von ihm verlangt habe, sagt Robson. Als dann plötzlich ein anderer an Jacksons Seite erschien, der „Kevin – Allein zu Haus“-Star Macaulay Culkin, sei er eifersüchtig gewesen, so Robson. Der Star habe ihn fallen gelassen, als er 14 war.

Familie will Schadenersatz

Zwei Mal war Jackson wegen Kindesmissbrauchs angeklagt, jedes Mal ging es für ihn glimpflich aus: 1993 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, in einem Prozess 2003 wurde Jackson freigesprochen. In beiden Verfahren hatte ihn Robson entlastet („Ich habe gelogen“, sagt er heute).

Jacksons Nachlassverwalter hat bereits eine Klage von über 100 Millionen Dollar Schadenersatz gegen HBO eingereicht. Und die Öffentlichkeit diskutiert, wie man nun mit dem Vermächtnis eines musikalischen Genies umgehen soll, wenn dieses menschlich ein Monster gewesen sein könnte. Einige Sender, darunter die BBC und eine Reihe großer kanadischer Radiosender, haben bereits angekündigt, Jackson-Songs von ihrer Playlist zu streichen. (zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2019)

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