Wie reiche Eltern Elite-Unis betrogen

Um ihren Kindern einen begehrten Studienplatz in Yale oder Stanford zu sichern, zahlten Promis wie die Schauspielerin Felicity Huffman Schmiergeld. Nun flog der Betrug auf.

Zahlte angeblich 15.000 US-Dollar für die Schönung eines Aufnahmetests ihrer Tochter: Schauspielerin Felicity Huffman in einem Gericht in Los Angeles.
Zahlte angeblich 15.000 US-Dollar für die Schönung eines Aufnahmetests ihrer Tochter: Schauspielerin Felicity Huffman in einem Gericht in Los Angeles.
Zahlte angeblich 15.000 US-Dollar für die Schönung eines Aufnahmetests ihrer Tochter: Schauspielerin Felicity Huffman in einem Gericht in Los Angeles. – APA/AFP/DAVID MCNEW

Boston/Wien. Das Mädchen konnte zwar nicht Fußball spielen. Gegen eine „Spende“ von 1,2 Millionen US-Dollar erhielt sie aber ein Sport-Stipendium für das Frauen-Fußball-Team an der US-amerikanischen Universität Yale – und damit eine begehrte Eintrittskarte für ein Studium an einer der renommiertesten Unis der Welt.

In anderen Fällen bezahlten die Eltern, dass ihre Kinder mehr Zeit für den Aufnahmetest bekamen oder dass falsche Antworten im Nachhinein richtiggestellt wurden. Für letztere Variante entschied sich das Schauspieler-Paar Felicity Huffman und William H. Macy. Laut Anklage hat Huffman 15.000 US-Dollar Schmiergeld bezahlt, damit ihre ältere Tochter (18) beim Einstufungstest für die Aufnahme an Universitäten, dem so genannten SAT-Test, bessere Noten bekommt. Das Paar habe überlegt, auch für die jüngere Tochter (16) diesen „Dienst“ in Anspruch zu nehmen, sich dann aber anders entschieden, so heißt es in der Anklageschrift des FBI. Am Dienstag wurde Huffman, vor allem für ihre Rolle als gestresste Hausfrau Lynette in der Serie „Desperate Housewives“ bekannt, in ihrem Haus in Los Angeles festgenommen und später gegen eine Kaution von 250.000 Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt. Ende März muss sie in Boston vor Gericht erscheinen. Ihr Mann William Macy (Oscar-Nominierung für „Fargo“) hat laut FBI davon gewusst, angeklagt ist er jedoch nicht.

Vor Gericht müssen auch Lori Loughlin – Tante Becky in der Sitcom „Full House“ – und ihr Ehemann, ein Modedesigner, erscheinen: Sie sollen ihre Töchter als Ruderinnen ausgegeben haben, um die beiden leichter an der University of Southern California unterzubringen. Kostenpunkt: eine halbe Million Dollar. Knapp 50 Personen – Unternehmer, Firmenchefs, Investoren und Schauspieler – sind angeklagt, für ihre Kinder Studienplätze erkauft zu haben. Das FBI hat dazu landesweite Ermittlungen unter dem Decknamen „Operation Varsity Blues“ durchgeführt und am Dienstag schließlich zugeschlagen. Unter den Festgenommenen sind nicht nur Eltern, sondern auch Trainer, Uni-Administratoren sowie Organisatoren der SAT-Tests. In vielen Fällen wussten die Studierenden nichts über die Zahlungen ihrer Eltern.

Die Fäden laufen bei einem Mann zusammen: William Singer. Er hat vor Gericht zugegeben, Kindern von Promi-Eltern den Weg auf eine Elite-Uni ermöglicht zu haben. Der 58-Jährige betreibt in Kalifornien ein Institut, das Kurse zur Vorbereitung auf die Uni-Aufnahmetests betreibt. Diese Tests sind standardisiert, werden landesweit angeboten und von den Unis bei der Bewerbung verlangt. Singers Kunden traten zu den Prüfungen in Hollywood und Houston an, wo er das Aufsichtspersonal bestochen hatte. Außerdem standen Sportlehrer und Trainer auf seiner Gehaltsliste. Viele der Schmiergeldzahlungen liefen über eine Wohltätigkeitsorganisation, deren Gründer – wenig überraschend – Singer ist.

Waren Unis ahnungslos?

Der Betrugsskandal erschüttert die gesamte Hochschullandschaft der USA: Die Namen der bekanntesten Elite-Unis wie Yale, Stanford oder Georgetown sind in diesem Zusammenhang gefallen. Studienplätze sind begehrt, rar und teuer. US-Universitäten folgen einem strengen Ehrenkodex. Studenten verpflichten sich, bei Prüfungen nicht zu betrügen, oft führt schon der erste Regelverstoß zur Exmatrikulation. Die genannten Unis sind um Schadensbegrenzung bemüht: In Aussendungen wird beteuert, nichts von dem Betrug gewusst zu haben und die Involvierten bereits gefeuert zu haben. Laut FBI ist das durchaus glaubhaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2019)

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