Lily James: „Paul gab uns seinen Segen“

Lily James spielt nach dem Abba-Film „Mamma Mia!“ nun in der Beatles-Komödie „Yesterday“. Im Interview spricht sie über ihre Rockstar-Qualitäten, die Frage Abba oder Beatles – und erzählt, was die echten, noch lebenden Beatles von dem Film halten.

Lily James findet es noch immer „komisch, ganz seltsam“, von ihr interpretierte Songs im Radio oder auf einer Playlist zu hören.
Lily James findet es noch immer „komisch, ganz seltsam“, von ihr interpretierte Songs im Radio oder auf einer Playlist zu hören.
Lily James findet es noch immer „komisch, ganz seltsam“, von ihr interpretierte Songs im Radio oder auf einer Playlist zu hören. – imago images / ZUMA Press

Was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte? Oder sich nur noch ein Mensch, ein bis dato erfolgloser Musiker, an sie erinnerte? Das ist die Ausgangsidee für einen hinreißenden Film über die Musik, Liebe und Menschen, die aneinander glauben. Die Komödie „Yesterday“ (Start: 11. Juli) wurde von Richard Curtis geschrieben, der mit „Notting Hill“ oder „Tatsächlich Liebe“ schon Filmjuwele für die Ewigkeit erschaffen hat. Regie führte Oscargewinner Danny Boyle, dessen „Trainspotting“ und „Slumdog Millionaire“ Kultstatus haben. Als weibliche Hauptfigur Ellie entschieden sich die beiden für Lily James.

Nach Abba in „Mamma Mia 2“ nehmen Sie es nun mit den Songs der Beatles auf. . .

Lily James: Es scheint mein Schicksal zu sein – ich kann der Musik nicht entkommen! (Lacht.) Zum Glück musste ich mich nie zwischen Abba und Beatles entscheiden, sonst wäre ich durchgedreht. Ich liebe beide Bands zu sehr. Die Musik der Beatles verbinde ich mit meinem Vater, der früh gestorben ist.


Sie waren erst sechs, als er starb. Welche Rolle spielten die Beatles zu Hause?

Mein Vater hat ihre Songs rauf und runter gespielt. Er war Musiker und hat viele Bands geliebt, aber die Beatles waren ihm heilig. Er besaß eine große Plattensammlung und hat oft Mixtapes erstellt, die ich an meinem 30. Geburtstag auf meiner Party gespielt habe. Die Erinnerungen an ihn und „seine“ Musik sind schön und traurig zugleich.


„Yesterday“ vereint zwei Genies: Drehbuchautor Richard Curtis und Regisseur Danny Boyle. Wie wirkten die zwei beim ersten gemeinsamen Projekt?

Danny Boyle ist großartig. Ich weiß nicht, wie er sonst arbeitet, aber bei diesem Film hat er die ganze Zeit getanzt. Ich habe nie so eine Atmosphäre auf dem Set erlebt! Beide waren immer offen für alle Ideen, Richard arbeitete so lange und liebevoll an einer Szene, bis er das gewünschte Ergebnis hatte.


„Yesterday“ zeigt uns eine Welt, in der die Beatles nie existiert haben. Welches kulturelle Phänomen würden Sie am meisten vermissen, wenn es verschwinden würde?

Mir hat die Musik von Whitney Houston immer sehr viel bedeutet. Ohne ihre Lieder hätte ich niemals gelernt zu lieben. Wow, sobald ich es ausspreche, merke ich schon, wie mir die Tränen kommen. Im Auto habe ich immer ganz laut mit ihr mitgesungen.


Nun sind Sie mit Ihren Musicalsongs selbst im Radio zu hören. Wie reagieren Sie dann?

Das ist komisch, ganz seltsam! Im Kopf klingt die eigene Stimme ganz anders. Ich habe nie das Gefühl, dass ich mich da wirklich selbst höre. Manchmal bekomme ich einen Schreck, wenn auf einer Playlist von Spotify plötzlich ein Lied von mir abgespielt wird.


Mit 25 wurden Sie zu „Cinderella“, mit 28 spielten Sie in „Mamma Mia 2“, mit 30 haben Sie mit Ikonen wie Meryl Streep gearbeitet. Sind Sie stolz auf sich?

Das muss ich noch üben. Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrungen, auch mit Cate Blanchett und Helena Bonham Carter. Sie alle haben meine Sicht verändert, was es bedeutet, eine Schauspielerin zu sein. Und auf dem Set von „Mamma Mia 2“ stand ich sprachlos neben Meryl Streep und habe gestaunt, wie sie Magie erzeugt.


Apropos Magie: Das kann man auch von der Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Kollegen Himesh Patel sagen, oder?

Es war fantastisch! Man darf nicht vergessen, dass „Yesterday“ Himeshs erster großer Film ist. Trotzdem war er so entspannt. Vielleicht liegt das an seiner langen TV-Erfahrung, er scheint keinen Druck zu spüren, sondern ist immer im Flow des Moments. Wenn er bei den Konzertszenen performte, wurde Himesh plötzlich zum echten Rockstar.


Wie finden Paul McCartney und Ringo Starr den Film?

Ringo hat den fertigen Film gesehen, er hat ihm wohl sehr gut gefallen. Ich weiß aber, dass auch Paul uns seinen Segen gab. Das war uns allen wichtig.


Wären Sie auch ein guter Rockstar?

Wohl nicht. Mir wäre das zu aufregend, ich bräuchte Beruhigungsmittel, wirklich cool wäre ich nicht (lacht).


Welches Phänomen würden Sie nicht vermissen, wenn es plötzlich verschwände?

Ganz klar: den Brexit! (Lacht.) Und wenn das ganze Plastik aus unseren Meeren verschwinden würde, wäre das auch extrem wünschenswert!

Steckbrief

Lily James wurde am 5. April 1989 im britischen Surrey geboren. 2010 begann sie ihre Schauspielkarriere mit Theaterrollen, 2011 erhielt sie eine Hauptrolle in „Secret Diary of a Call Girl“. Darauf folgte etwa eine Rolle in „Downton Abby“, 2015 die Hauptrolle in „Cinderella“.

2018 kam die Abba-Musical-Fortsetzung „Mamma Mia! Here We Go Again“ in die Kinos, in der James in einer Hauptrolle auftritt und mehrere Abba-Songs interpretiert.

„Yesterday“, ihr neuer Film, startet am 11. Juli in den heimischen Kinos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2019)

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