Zittern im Penthouse

Oder: Warum man kurz nachdenken sollte, bevor man nach dem Schneider ruft.

Mit Klischees muss man natürlich vorsichtig sein, aber bisweilen entstehen sie schon auch, weil ein wahrer Kern dahintersteckt. Dass sich die Topmanager der Deutschen Bank in London am Tag des Beginns der Massenkündigungen vom Schneider im eigenen Büro Maßanzüge haben anmessen lassen, klingt ziemlich erfunden. Allerdings hat Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender des deutschen Geldinstituts, den Vorfall nicht nur ausdrücklich bestätigt, sondern gleich auch als „respektlos“ bezeichnet. Das habe er den Managern in London auch persönlich mitgeteilt: „Ich gehe davon aus, dass die beiden Kollegen meinen Anruf nicht vergessen werden.“ Ihren Job dürften sie dennoch behalten, ob die Maßanzüge wie bestellt geliefert werden, ist allerdings nicht überliefert.

Als Klischeebehausung mit dem größten Beneidungsfaktor hat das Penthouse längst die Villa abgelöst. Das letzte Mal, dass eine Dachwohnung in Österreich so richtig Schlagzeilen gemacht hat, war, als der Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner sich im Zuge der ÖGB/Bawag-Pleite vor Gericht verantworten musste. Diesmal geht es um ein Penthouse der Ex-Eigentümer einer in finanzielle Turbulenzen geratenen Möbelhauskette. Sie mussten ihre Wiener Dachwohnung nun räumen. Die Urban Legend aber besagt, dass der Ausblick aus besagter Wohnung so heilig war, dass er auch durch den Bau eines Leseturms im damals neu errichteten Museumsquartier nicht gestört werden durfte.

Christoph Waltz spielt seine Figuren so unverwechselbar, dass es inzwischen längst ein Klischee klassischer Waltz-Rollen gibt. Sie sind (nach dem Überraschungseffekt in „Inglourious Basterds“) immer eine Spur zu ironisch, zu nervig und zu enervierend. Für Waltz hat sich das Festhalten am typischen Waltz aber voll ausgezahlt: Nicht nur, dass er für zwei ziemlich idente Tarantino-Rollen gleich zwei Oscars gewonnen hat. Nun soll er auch seine Rolle als „James Bond“-Bösewicht Blofeld im nächsten 007-Aufguss wiederholen.

Wiederholt haben sich zuletzt auch Zitteranfälle bei Angela Merkel. Die 65-jährige deutsche Kanzlerin hat nach Jahren der Maximalbelastung Momente der körperlichen Schwäche offenbart, die ihre Gegner nun allzu gern politisch gegen sie verwenden. Politik als gnadenloses Geschäft, auch so ein Klischee, an dem etwas dran ist.

florian.asamer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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