So tickt das Bauhaus: Max-Bill-Modelle von Junghans

Die Bauhaus-Bewegung feiert ihren 100. Geburtstag. Wie sie am Handgelenk tickt, zeigt Junghans mit seinen Max-Bill-Modellen bis heute. Das Erstaunliche: Vorlage war eine Küchenuhr.

Multitalent. Der Schweizer Architekt, Designer, Grafiker und Bildhauer Max Bill.
Multitalent. Der Schweizer Architekt, Designer, Grafiker und Bildhauer Max Bill.
Multitalent. Der Schweizer Architekt, Designer, Grafiker und Bildhauer Max Bill. – (c) Max, Binia+Jakob Bill Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn

Der Name Max Bill ist untrennbar mit dem Bauhaus verbunden – obgleich der Schweizer Architekt, Produktgestalter, Maler und Bildhauer bei der Gründung der berühmten Schule 1919 in Weimar gerade einmal elf Jahre alt war. Aber Bill war als Entwerfer frühreif: Bereits mit 17 Jahren wurde er mit seinen Schülerarbeiten zur „Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes" in Paris eingeladen. 1927–1928 studierte er in Dessau am Bauhaus, wo zu dieser Zeit Größen wie Josef Albers, Wassily Kandinsky und Paul Klee lehrten. Eine definitiv prägende Zeit für den jungen Bill, der rund 25 Jahre später mit der Gründung der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm den Bauhaus-Gedanken weiterentwickelte. Auch die Zusammenarbeit mit Junghans begann zu seiner Zeit als Rektor an der HfG. Von der Schramberger Firma erhielt er Mitte der 1950er-Jahre den Auftrag, eine Uhr zu gestalten. Genauer gesagt eine Küchenuhr mit Kurzzeitmesser. Dabei setzte Max Bill die gestalterischen Tugenden, die das funktionalistische Design seit dem Bauhaus forderte, exemplarisch um: Ein Gegenstand sollte so gestaltet sein, dass er seine Funktion optimal erfüllte, sämtlicher Zierrat galt als No-Go. Also reduzierte er das Zifferblatt auf seine essenziellen Elemente. Eine Minutenskala, deren Balken gut sichtbar voneinander getrennt sind, wird durch etwas längere Striche für die Stunden in Form gebracht. Die arabischen Ziffern lehnen sich an Typen der modernen Druckgrafik an und geben bei aller Nüchternheit ein unverwechselbares Bild jenseits allen Schnicknacks.

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Design- Geschichte: Max Bills Junghans-Küchenuhr mit Kurzzeitmesser von 1956. – (c) Max, Binia+Jakob Bill Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn

Ikonen. Auffallend: die eigenwillige Ziffer „4", die einer ultrareduzierten Signatur des Autors gleichkommt. Das Zifferblatt der Küchenuhr besitzt die am deutlichsten auf die Funktion bezogene aller Uhrenformen: Ihre Rundung führt die Zeiger perfekt im Kreis. Mit der Küchenuhr war der gestalterische Grundstein für das gelegt, was zu der zukunftsträchtigen Kooperation zwischen Junghans und Max Bill werden sollte. Seit 1961 bringt Junghans Armbanduhren von Max Bill heraus. Seit damals hat sich viel verändert. Oder auch nicht. Die jüngste Evolutionsstufe der Bauhaus-Uhr ist die „Max Bill Mega", die von einem neu entwickelten Junghans-Funkwerk angetrieben wird. Dieses sucht sich automatisch einmal pro Tag den richtigen Zeitzeichensender zur Synchronisation. Außerhalb des Empfangsbereichs läuft das Werk mit der Präzision eines Quarzwerks. Damit bietet Junghans in seiner Kollektion jetzt alle denkbaren Kaliberarten – von Handaufzug und Automatik über Quarz bis hin zu Funk. Was auch immer im Inneren tickt, das minimalistische Design des Küchenuhr-Zifferblatts bestimmt nach wie vor die Optik der Max-Bill-Uhren – Ikonen, die mit der Zeit gehen. Oder umgekehrt.

Jüngstes Familien­mitglied: das Junghans-Modell „Max Bill Mega“.
Jüngstes Familien­mitglied: das Junghans-Modell „Max Bill Mega“.
Jüngstes Familien­mitglied: das Junghans-Modell „Max Bill Mega“. – (c) Max, Binia+Jakob Bill Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn

Bauhausstil Skizze für eine der frühen Armbanduhren.
Bauhausstil Skizze für eine der frühen Armbanduhren.
Bauhausstil Skizze für eine der frühen Armbanduhren. – (c) Max, Binia+Jakob Bill Stiftung/VG Bild-Kunst, Bonn

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