Das Facebook der Hyänen

Viele Tiere kommunizieren mit Düften, aber die produzieren sie nicht allein: Die Feinheiten der Signale stammen von Bakterien.

Hyänen
Hyänen
Hyänen – (c) ORF (Bbc/Charlie Hamilton-James)

Auch Ratten begraben ihre Toten, vorsichtiger: Sie bringen die Kadaver unter die Erde. Aber fünf Stunden müssen sie schon tot sein, John Pinel (Vancouver) bemerkte es 1981. Er fand auch heraus, was Verwesung signalisiert – zwei Duftstoffe, Cadaverin und Putrescin (vom lateinischen Wort für verfaulen) –, und als er anästhesierte Ratten damit bestrich, wurden auch die von den anderen verscharrt. Diese Duftstoffe entstehen überall im Tierreich, und sie werden auch überall wahrgenommen, viele Tiere ergreifen die Flucht – Menschen auch –, andere werden angelockt vom Aas, manche reagieren differenziert: Aas anderer Arten zieht Ratten an.

Diese Duftstoffe sind Amine, biogene Amine, Werke von Bakterien, die sich über Fleisch hermachen, das sie nicht mehr abwehren kann. Cadaverin und Putrescin sind also olfaktorische Reize, bei deren Produktion zwei ganz verschiedene Partner zusammenspielen, und sie sind die Letzten dieser Signale. Aber es gibt auch Gerüche vor dem Tod: Die chemische Sensorik (und im Gefolge die Kommunikation) entwickelte sich vor allen anderen, sie ist auch zentral geblieben, nur der Mensch hat sie in den Hintergrund gedrängt, als er sich auf zwei Beine erhob, also nicht mehr am Boden schnüffelte, sondern den Blick in die Ferne warf.

Sonst wird mit Sekreten und Fäkalien markiert, jeder Hundebesitzer weiß es, und bei Hyänen ist der Informationsgehalt so hoch, dass man das, was sie in der Umwelt absetzen, getrost als ihr Facebook bezeichnen kann: Sie kommunizieren mit einer „Paste“ aus einer Duftdrüse unter dem Schwanz, damit markieren sie Grasbüschel. Im jeweiligen Bouquet steckt Informationen, bei hoch sozialen Streifenhyänen auch darüber, ob ein Männchen „gepastet“ hat oder ein Weibchen, wie alt er oder sie ist, und ob Letztere paarungsbereit ist oder nicht.

 

Männchen, Weibchen, jung, alt?

Für diese Details sorgen Bakterien in den Drüsen, Kevin Theis (Michigan State University) hat es gezeigt: Die Bakterien haben je nach Individuum und dessen Ergehen ganz andere Gesellschaften und senden ganz andere Botschaften (Pnas, 11.11.). Die müssen dann nur noch wahrgenommen werden, und wo und wie das geschieht, war bisher unklar. Nun hat Sigrun Korsching (Köln) Licht ins Duftdunkel gebracht, an Zebrafischen, die flüchten vor dem Aas ihrer Artgenossen (andere Fische suchen es, Goldfische etwa. Und dafür sorgen ganz spezielle Rezeptoren (Pnas, 11.11.). Ähnliche gibt es auch bei höheren Tieren. Und bei uns? Das ist unklar. (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2013)

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