Uralte DNA zeigt: Ahnen gingen wilde Wege

An 400.000-jährigen Fossilien in Spanien wurden Genanalysen durchgeführt. Die weisen nach Sibirien.

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(c) EPA (Ho)

Wer lebte vor 400.000 Jahren in der Höhle Sima de los Huesos – Knochengrube – in Nordspanien? Dort hat man seit den 1990er-Jahren ein einzigartiges Ensemble ausgegraben, 28 Skelette. Wem die gehörten, war bisher schon umstritten: Chris Stringer vom Natural History in London etwa, eine der Autoritäten der Paläontologie, setzte auf Neandertaler, andere vermuteten Homo heidelbergensis. Das ist ein unklar definierter Urmensch, von dem die Neandertaler abstammen sollten.

Und nun wird die Verwirrung komplett. Einer Gruppe um Svante Pääbo (MPI Evolutionäre Anthropologie, Leipzig) ist es gelungen, DNA aus der Knochengrube zu analysieren (Nature, 4.12.). Zwar ging es dabei nur um die kleine mitochondriale DNA, und auch sie konnte nicht vollständig sequenziert werden. Aber so weit in die Tiefe der Zeit wurde noch keine Genanalyse getrieben. Und so weit weg in den Raum hat auch noch keine gezeigt: Die Gene dieser Menschen deuten nicht zum Neandertaler, der damals durchaus in der Region hauste. Sie weisen vielmehr zum Denisova-Menschen. Und der lebte im Altai in Sibirien.

 

Immer mehr Urmenschen

Entdeckt wurde er 2008, dann überschlugen sich bald die Ereignisse in der Anthropologie: Genomanalysen zeigten zunächst, dass in jedem von uns zwei bis vier Prozent Neandertaler stecken; dann fanden sich vor allem in heutigen Menschen in Australien und Neuguinea auch Gene des Denisova-Menschen. Vor zwei Wochen schließlich gab wieder Pääbo auf einer Tagung bekannt, im Genom sowohl des Neandertalers als des Denisova stecke noch ein vierter Mensch, von dem es bisher keinerlei fossile Spuren gibt. Und nun Denisova in Spanien! Pääbo will versuchen, auch die Kern-DNA zu sequenzieren. Das wird schwierig, schon für die mitochondriale brauchte er extrem viel Knochen: zwei Gramm. Aber er ist zuversichtlich: „Meine Hoffnung ist natürlich, dass wir kein Chaos, sondern Klarheit in die Welt bringen.“ (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2013)

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