Urbscout: Mit der richtigen App an den richtigen Ort

Eine in Wien entwickelte Reiseplattform findet den App-Zugang zum lokalen Verkehr in zehn Städten. Hintergrund ist ein Projekt zur besseren Vernetzung der Bahn mit anderen Verkehrssystemen.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

So manche Smartphone-Nutzer sind überfordert von der unüberblickbaren Masse an Apps, den kleinen Anwendungen mit fantasievollen Icons. Und jetzt auch noch eine App, die Apps findet? Urbscout ist etwas anderes, nämlich eine internationale Plattform für alle Arten von Mobilitätsdiensten, „verkleidet“ als App. Sie kann unter www.urbscout.mobi kostenlos heruntergeladen werden.

Der Nutzer wählt auf iPhones, Android-Handys oder im Internet einfach eine Stadt aus, und schon werden alle Apps angezeigt. Daten sind in sieben Kategorien verfügbar: allgemeine Information, Auto, Bahn, Fahrrad, Öffis, Routenplaner und Taxi.

Im Mittelpunkt steht laut Katharina Schüller vom Wiener Betreiber Austrotech (siehe Lexikon), das Bemühen, den Bahnhof als häufigsten Ankunftspunkt für Reisende mit lokalen Verkehrsangeboten zu verknüpfen. Die Plattform ist seit Beginn der sommerlichen Reisezeit Anfang Juli online. In der ersten Umsetzungsphase werden aktuell 66 Apps aus den beteiligten Partnerstädten aufgelistet.

 

Weitere Städte folgen

Neben Wien sind Bratislava (Pressburg), Budapest, Bukarest, Saloniki, Sofia, Triest und Venedig bereits online; Bologna, Ljubljana (Laibach) und Zagreb (Agram) folgen demnächst. Spätestens dann wächst automatisch auch die Zahl der Apps. Für die österreichische Bundeshauptstadt werden bereits 26 Android- und 24 Apple-iOS-Apps mit Detailerklärungen angeboten. Bei Internetseiten sind es immerhin 16, unter anderem Handy-Parken, die Verkehrsregion-App „A nach B“, Bikecityguide, Car2go, Carsharing.at, Carsharing 24/7, E-Tankstellen, Qando, die ÖBB-Anwendung Scotty, und diverse Taxidienste.

Nach Auswahl einer App wird man direkt in den entsprechenden Store zum Download weitergeleitet. Dabei listet die Plattform nur Apps auf, die auch von den Bewohnern der jeweiligen Stadt verwendet werden. Das wird von Regionsmanagern genau kontrolliert.

Urbscout ist ein „Kind“ des europäischen Projekts Rail4SEE. Das lange Kürzel steht für „Rail Hub Cities for South East Europe“, ein Projekt des EU-Programms für transnationale Kooperation in Südosteuropa, das mit fünf Millionen Euro dotiert ist. Es zielt auf die Verbesserung der Bahndienstleistungen ab, insbesondere durch Integration in die Verkehrssysteme der beteiligten Städte. Die Programmatik von Rail4SEE geht davon aus, dass Transportinnovationen auf der Straße und in der Luft viel schneller vor sich gehen als bei Bahnen, weil die beiden direkter auf Marktentwicklungen reagieren müssen.

 

Integration der Bahn

Bei der Integration der Bahn in städtische Verkehrssysteme werden zahlreiche Hemmschuhe geortet, darunter „örtliche Diskontinuität“ und „nationale Standards mit historischen Problemen der grenzüberschreitenden Interoperabilität“. Dabei wird die Hoffnung ausgedrückt, dass die europäische Strategie der TEN-T-Korridore (Transeuropäische Netze) „auf lange Frist effizient die Integration der Bahn unterstützen“ wird.

Kurz- und mittelfristig müssten jedenfalls – neben integrierten Ticketsystemen – innovative Dienstleistungen die Vorarbeit leisten. Ein Schritt in diese Richtung ist Urbscout.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2014)

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