Der Hund im Fokus der Forschung

Hunde sind die längstgedienten Gefährten des Menschen. Die Beziehung zueinander ist dennoch kaum erforscht. Wiener Wissenschaftler wollen das ändern.

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(c) Ann-Cathrin May

Es ist eine ganz spezielle Sozialbeziehung, die Mensch und Hund verbindet: eine Beziehung, die zwischen zwei verschiedenen Arten funktioniert. Voraussetzung dafür sind bestimmte Gehirnstrukturen, aber auch physiologische und psychologische Mechanismen. Im FWF-Projekt Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung untersuchen Wissenschaftler rund um Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Uni Wien das Miteinander von Halter und Hund – und berücksichtigen dabei auch die Persönlichkeit des Menschen.

Dass Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale, aber auch das Geschlecht des Besitzers wichtig für die Beziehung von Mensch und Tier sind, zeigte sich zunächst in einer Pilotstudie mit 22 Haltern von Rüden. Darauf aufbauend startete vor drei Jahren das FWF-Forschungsprojekt. An der Untersuchung beteiligten sich insgesamt 120 Mensch-Hund-Paare, je 30 aus jeder möglichen Geschlechterkombination. Dabei wurde das Verhalten von Mensch und Hund in verschiedenen Testsituationen auf Video aufgezeichnet: etwa wenn ein Fremder nach Hause zu Besuch kommt oder bei einer – gestellten – tierärztlichen Untersuchung.

Auch die Reaktion des Hundes auf eine leichte Bedrohung wurde beobachtet. Darüber hinaus gab es verschiedene Ablenkungstests. Eine eigene Software durchsucht die Videos nach versteckten zeitlichen Mustern.

 

Tests für Tierbesitzer

Auch für die Halter gab es Persönlichkeitstests und Tests zur Bindung zum Tier. Die Tiere zu beobachten ist zu wenig. „Ohne die Persönlichkeitsstruktur des Menschen mit zu untersuchen, lassen sich keine Aussagen zur Beziehung zwischen den Lebewesen treffen“, so Kotrschal. Nur konsequent also, dass die Forscher auch Speichelproben von Mensch und Tier nahmen: Gemessen wurden das Stresshormon Cortisol und das Sexualhormon Androgen – nach Alltagssituationen und besonderen Herausforderungen.

Der Forscher hofft, dass die Erkenntnisse auch in die praktische Arbeit mit Hunden einfließen. „Wir wollen mit unserer Forschung aber nicht nur das Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung vertiefen. Wir glauben, dass sich aus den Daten auch Schlüsse auf Menschen ziehen lassen.“ Die Paarbeziehung zwischen Mensch und Hund eigne sich damit auch als Modell für die Untersuchung von Langzeitbeziehungen zwischen Lebewesen.

Das Projekt läuft noch bis Jahresende 2014, dann soll es konkrete Ergebnisse geben. „Es zeichnet sich ab, dass Frauen und Männer mit Hunden anders umgehen und die Hunde wiederum auch anders mit ihnen“, verrät Kotrschal. Geschlechterrollen könnten also auch zwischen verschiedenen Arten eine wichtige Rolle spielen. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2014)

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