Nützliche und schädliche Pilze

Die Mikrobiologin Monika Komon-Zelazowska hat verschiedene, unter anderem gesundheitliche Aspekte der Schimmelpilzgattung Trichoderma erforscht.

Schimmel in einer Dusche
Schimmel in einer Dusche
Schimmel in einer Dusche – (c) BilderBox (Erwin Wodicka)

Es war nicht der Pilz, der Monika Komon-Zelazowska nach Wien gelockt hat, sondern ein Freund ihrer Schwester, die seit 25 Jahren in Österreich lebt. „Ich habe sie oft besucht, und jedes Mal sagte er, wieso kommst du nicht nach Wien studieren?“, erzählt die in der Nähe von Lublin in Polen Geborene. Doch der Pilz hat Komon-Zelazowska, die ihre Begeisterung für Biologie einer guten Lehrerin am Gymnasium verdankt, letztlich zum Bleiben bewogen: „Nach Abschluss meines Biochemiestudiums habe ich in Wien an der Technischen Universität angefragt, ob sie eine Stelle für mich haben“, erzählt sie. „Und es hat geklappt. Ich war – wie sagt man das? – zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Denn am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften war die russische Mikrobiologin Irina Druzhinina gerade dabei, eine mikrobiologische Gruppe aufzubauen, die sich mit Fadenpilzen beschäftigen sollte: mit ihrer Klassifizierung und Sequenzierung sowie der Erforschung ihrer Wirkweisen. Das war 2003.

 

Mit den Leuten diskutieren können

„Die Stelle hat mich gefunden, und ich bin in Wien geblieben“, so Komon-Zelazowska. Rasch lernte sie die Sprache, „die finde ich nett. Und ich kann mir nicht vorstellen, in einem Land zu leben und die Sprache nicht gut genug zu können, um mit den Leuten zu diskutieren – das geht wirklich nicht, egal, ob Deutsch oder Chinesisch.“ Ein Jahr später zog ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann nach, 2011 wurde eine Tochter geboren. Der Multikulti-Gruppe von Irina Druzhinina – „wir sind wirklich sehr international!“ – blieb Komon-Zelazowska treu. Zunächst als Projektassistentin, später als Karenzvertretung und Dissertantin spezialisierte sie sich auf die verschiedenen Arten des Schimmelpilzes Trichoderma.

„Der wird sehr vielfältig eingesetzt“, erzählt die 37-Jährige. „Zum Beispiel zur industriellen Produktion von Enzymen. Hier könnte er zum Beispiel als Produzent von Biotreibstoffen der zweiten Generation sehr wichtig werden.“ Der Pilz nutzt andere Pilze als Nährstoffquelle, wobei der Wirtspilz abstirbt. Einige Trichoderma-Arten werden deshalb in der Landwirtschaft auch zur biologischen Pilzbekämpfung eingesetzt. „Und als Biodünger. Beides wird zum Beispiel in China bereits im großen Stil angewendet“, so Komon-Zelazowska. Doch diese sogenannte mykoparasitäre Eigenschaft macht Trichoderma auch zu einem Schädling: Er kann als grüner Schimmel industrielle Pilzkulturen befallen. Andere Arten können bei immungeschwächten Menschen, vor allem in Krankenhäusern zum Beispiel nach einer Operation, zu gefährlichen Pilzinfektionen führen.

Diese möglichen negativen Aspekte von Trichoderma waren Inhalt der Dissertation von Komon-Zelazowska, die an der TU Wien als sogenannte kumulative Dissertation entstand: eine Zusammenstellung dreier bereits auf Englisch in Fachzeitschriften erschienener Artikel. „Wir empfehlen, alle für die Landwirtschaft geplanten Stämme vorher zu überprüfen, um mögliche Gesundheitsrisken zu minimieren“, erklärt die Wissenschaftlerin, „vor allem den Zweig Trichoderma Longibrachiatum, der bei Menschen am häufigsten zu Krankheiten führt. Der sollte in der Landwirtschaft nur mit äußerster Sorgfalt eingesetzt oder besser sogar vernachlässigt werden.“

Die TU-Gruppe hat sich mittlerweile weiterentwickelt, „macht jetzt mehr ökologische Genomik“. Und auch Monika Komon-Zelazowska möchte neue Wege gehen. „Mich würde etwas ganz Neues interessieren, zum Beispiel eine Arbeit in der Pharmaindustrie.“ Theoretisch wären Wanderjahre als Postdoc ebenfalls denkbar – doch wie so oft und besonders oft bei Frauen in der Wissenschaft „ist das schwierig mit Familie, die müssten ja alle mitkommen“.

ZUR PERSON

Monika Komon-Zelazowska wurde 1977 in der Nähe von Lublin in Polen geboren, wo sie Biologie und Biochemie studierte. 2003 kam sie nach Wien und wurde Mitarbeiterin der mikrobiologischen Forschungsgruppe um Irina Druzhinina am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften an der TU Wien. Aus mehreren Artikeln über den Schimmelpilz Trichoderma entstand die 2014 abgeschlossene Dissertation. Komon-Zelazowska ist verheiratet und Mutter einer dreijährigen Tochter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2014)

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