Ein österreichischer Beschleuniger: MedAustron

Am CERN in Genf werden auch österreichische Experten ausgebildet, die in den nächsten Jahren dringend für die Krebsbehandlung benötigt werden.

Österreich ist mit 2,2 Prozent am Jahresbudget des CERN beteiligt. Derzeit sind dort etwa 60 Österreicher angestellt – von insgesamt 2250 Angestellten. Welchen Nutzen hat Österreich von dem Geld, das es am CERN investiert? Die Antwort lautet Technologietransfer.

Das wird etwa bei dem MedAustron-Projekt deutlich. So heißt ein Teilchenbeschleuniger, der in der Nähe von Wiener Neustadt entstehen soll. Ende des Jahres 2007 wurde dafür eine Partnerschaft des Landes Niederösterreich mit dem CERN geschlossen. Der Beschleuniger wird unter der Leitung von Michael Benedikt entwickelt, einem österreichischen Physiker am CERN.

„Es gibt momentan in Österreich kein Know-how auf diesem Sektor der Beschleunigertechnik“, erklärt Benedikt. In seiner Gruppe am CERN wird derzeit ein Team junger Wissenschaftler und Techniker aufgebaut. Gemeinsam mit Spezialisten vom CERN soll es in den kommenden zwei bis drei Jahren den MedAustron-Beschleuniger planen, danach in Österreich errichten und in Betrieb nehmen.

Zweck der Anlage werden Krebsforschung und Krebstherapie sein. Der Beschleuniger wird einen Strahl von Protonen oder Kohlenstoff-Ionen liefern, mit dem Tumore punktgenau und besonders schonend für das umliegende Gewebe bestrahlt werden können. Der Vorteil der Ionenstrahlen: Man kann sie punktgenau fokussieren und damit auch einstellen, in welcher Tiefe im Körper sie wirken. Laut Studien könnte damit etwa ein Teil jener Patienten behandelt werden, für die es derzeit keine passende lokale Behandlungsmöglichkeit gibt.

 

Kaderschmiede in Genf

Während die Bestrahlung mit Protonen bereits etabliert ist, ist die Variante mit Kohlenstoffkernen noch relativ neu. Sie wird aber als sehr aussichtsreich gehandelt, weshalb am MedAustron diese Therapieform weiter erforscht werden soll. MedAustron soll 2013 in Probebetrieb gehen und 165 Millionen Euro kosten. Im Vollbetrieb sollen jährlich 1200 Patienten behandelt werden. Bei diesem Projekt wird sich auch ein eigenes österreichisches Doktoratsstudentenprogramm bezahlt machen, das Aufenthalte junger österreichischer Wissenschaftler und Techniker am CERN finanziert. Jährlich gibt es zehn neue Studienplätze, die sich thematisch nicht um Teilchenphysik, sondern um angewandte Technologie drehen. Die Teilnehmer des Programms bauen sich am CERN nicht nur technologisches Know-how auf, sondern auch internationale Netzwerke und Sprachenkenntnisse. Damit erfüllt das Programm alle Funktionen einer Eliteuniversität. kle

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2008)

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