Das Herz über das Handy überwachen

Lässt sich ein schwaches Herz auch daheim gut kontrollieren? Ein Pilotprojekt soll mehr Lebensfreude und weniger Spitalsaufenthalte bringen.

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Laut Österreichischem Herzverband gibt es in Europa 14 Millionen Patienten, die an Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, leiden. Die Zahl wird sich voraussichtlich bis 2020 auf 30 Millionen erhöhen. Bei über 65-Jährigen ist rund jeder sechste davon betroffen. Alarmierende Fakten, die neue Vorsorge- und Behandlungswege erfordern.

Wissenschaftler des Austrian Institute of Technology (AIT) entwickeln – gemeinsam mit Versicherungsanstalten, Krankenhäusern, Ärzten und Patienten – Monitoringsysteme, um chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herzschwäche zu überwachen. Kürzlich wurde in Tirol nach zweieinhalbjähriger Testphase das Pilotprojekt HerzMobil Tirol gestartet – ein Netzwerk, das eine gezielte Patientenüberwachung mit dem Smartphone erlaubt.

Großes Problem sowohl für die Patienten selbst als auch für das Gesundheitssystem ist die hohe Rückfallquote: Ein Viertel der entlassenen Herzschwächepatienten wird innerhalb des ersten Monats aufgrund von Beschwerden wieder in ein Krankenhaus eingeliefert, 50 Prozent innerhalb des ersten halben Jahres.

„An diesem Punkt setzt unser Projekt an. Wir bieten entlassenen Patienten die Möglichkeit, sich zu Hause telemedizinisch versorgen zu lassen“, sagt der Projektleiter Robert Modre-Osprian vom AIT. Dadurch soll die Überlebenschance, die patientenorientierte Behandlung, die Lebensfreude und die Sicherheit der Betroffenen deutlich gesteigert und verbessert werden.

 

Schulung für Patienten

Wird ein Patient in das Projekt aufgenommen, bekommt er direkt vor seiner Entlassung aus dem Krankenhaus von speziell dafür ausgebildeten Krankenschwestern eine Herzinsuffizienzschulung. Die Projektteilnehmer werden dabei über den gesunden Lebensstil, über Ernährungsmaßnahmen, über die Medikamente und darüber informiert, was sie selber zur Gesunderhaltung ihres Herzens beitragen können.

Anschließend wird den Patienten genau gezeigt, wie sie ihre Gesundheitsdaten aufzeichnen können. „Unser Ziel war es, das Ganze möglichst einfach zu gestalten, die Patienten sind im Schnitt 75 Jahre alt“, so Modre-Osprian.

Im Herzmobilkoffer befinden sich ein Smartphone mit einer speziellen App, eine Waage und ein Blutdruckmessgerät, die mit bestimmten Kommunikationsmodulen ausgestattet sind. Der Patient identifiziert sich mit einer ID-Karte am Smartphone und hält dieses an das Gerät, das die erstellten Körperdaten direkt auf einem Server speichert. Über eine Plattform können die Ärzte im Krankenhaus, die Schwestern und der zugelassene Arzt vor Ort die Daten einsehen und gegebenenfalls die Behandlung sofort ändern.

Derzeit trägt der Tiroler Gesundheitsfonds die Kosten. Im Herbst soll dann die Entscheidung fallen, ob das System in Tirol in den Routinebetrieb übernommen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2015)

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