Sparkling Science: Versunkene Welten in Österreichs Seen

Schüler und Forscher wollen 6000 Jahre alte, versunkene Pfahlbauten in Österreich sichtbar machen. Die prähistorischen Funde sind ein gefährdetes Unesco-Weltkulturerbe.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

In zahlreichen oberösterreichischen und Kärntner Seen befinden sich Überreste von prähistorischen Bauten aus der Jungsteinzeit. In der Bevölkerung ist das Wissen um das Unesco-Kulturerbe bescheiden, obwohl bei Hoch- und Niederwasser immer wieder Fundstücke auftauchten. Zum Teil sammelten die Menschen diese Relikte, zum Teil betrieben sie aber auch systematischen Raubbau. In Österreich sind die urgeschichtlichen Pfahlbauten, die im ganzen alpinen Raum zu finden sind, gefährdet.

„Wir wollen nicht diejenigen sein, die alles zerstören, daher müssen wir diese Zeugnisse der Kulturgeschichte Europas erhalten“, sagt Anton Kern, Direktor der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien. Er will der Bevölkerung die Pfahlbauten im vom Wissenschaftsministerium geförderten Sparkling-Science-Projekt „Doing Welterbe – Welterbe begreifen“ ins Bewusstsein bringen: „Je mehr die Leute über die Vergangenheit in ihrer unmittelbaren Umgebung wissen, desto mehr lernen sie, diese auch zu schätzen.“

Gemeinsam mit Schülern vom Attersee (OÖ), Mondsee (OÖ) und Keutschach (K) startete er das Projekt. Die Kinder und Jugendlichen werden in den Schulen zunächst intensiv auf das Thema vorbereitet und sollen ihr Wissen dann verbreiten. Die Schüler sollen Interviews mit Heimatforschern und Familienmitgliedern führen. So können sie herausfinden, wo sich noch Relikte wie Werkzeuge, Angelhaken oder Nadeln aus der Jungsteinzeit befinden. „Die Kinder können Fragen stellen, die sich Wissenschaftler nicht zu stellen trauen“, sagt Kern. „Außerdem kommen sie auch an eine erweiterte Personengruppe heran.“

Kern hofft, dass dadurch Relikte ans Tageslicht kommen, die Forscher allein nicht hätten finden können. Später will er die Objekte mit modernen 3-D-Scannern aufnehmen, damit man sie auf 3-D-Kunststoffplatten ausdrucken kann. Das veranschauliche Kindern die Jungsteinzeit nicht nur, sondern „diese Objekte tragen auch den Geist des Originalen in sich“. Von den 3-D-Drucken wird auch die oberösterreichische Landesausstellung 2020 profitieren. „Wir hoffen, dass die Bevölkerung durch die bessere Vorstellung von der Vergangenheit respektvoller mit dem Weltkulturerbe umgeht“, sagt Kern. (por)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)

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