Einbindung: Smart Cities brauchen die Bürger

Es reicht nicht, innovative Energiesysteme zu implementieren. Smart Cities funktionieren nur, wenn ihre Bürger mit ins Boot geholt werden.

(c) BilderBox

Friedrichshafen am Bodensee hat es schon vor ein paar Jahren ausprobiert: Die T-City Friedrichshafen vereinte gut drei Dutzend verschiedenste Projekte, in denen die Stadt der Zukunft mit modernen Kommunikationslösungen ihre Probe hielt. Innovative Energielösungen wie Smart Meter, intelligenten Zähler, waren ebenso Teil des Gesamtkonzepts wie Lernplattformen, Arztkonferenzen via Bildschirm, Online-Kindergartenanmeldung oder ein Internetportal für Bürgeranliegen.

Die Deutsche Telekom, die das Smart-City-Versuchslabor in Friedrichshafen 2007 gestartet hatte, wollte mit Informations- und Kommunikationstechnologie die Lebensqualität in der Stadt weiter heben und Lösungen für Energiewende, demografischen Wandel und Bürgerbeteiligung in der Praxis erproben. Einiges funktionierte: Die 1600 installierten Smart Meter und die damit verbundene Rückmeldung über den aktuellen Energieverbrauch brachten eine Energieersparnis von mehr als vier Prozent – ohne Anreize über den Preis. Andere, wie die interaktive Lernplattform Edunex, floppten, berichtete Michael Lobek vom Geozentrum der Universität Bonn nun bei der Smart Cities Week in Salzburg.

 

Betreiber oft technikverliebt

Der Forscher hatte die T-City Friedrichshafen wissenschaftlich begleitet. Für ihn hat sich ein entscheidender Faktor herauskristallisiert: „Wir müssen uns am Nutzer orientieren.“ Das klinge zwar trivial, sei aber nicht, so Lobek. Die Betreiber von Smart-City-Projekten wären nämlich oft technikverliebt, die potenziellen Anwender würden aber vor allem nach dem persönlichen Nutzen fragen. Wenn dieser nicht klar sei, fehle die Akzeptanz. Das Wichtigste für den Erfolg wäre, die Anwender mit ins Boot zu holen.

Das Kunststück der Einbindung der Nutzer ist der Smart-Grids-Modellregion Salzburg mit ihrem Pilotprojekt in Köstendorf gelungen. Dort wird seit 2013 in einem Modellgebiet im Echtbetrieb getestet, wie die Niederspannungsnetze mit intelligenter Steuerung stabil gehalten werden. Eine hohe Dichte an Fotovoltaikanlagen und Elektrofahrzeugen bilden die Herausforderung, die es in Köstendorf zu meistern gilt. „Die Nutzer sind zu Botschaftern des Projekts geworden“, so Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH. Die Menschen sind stolz darauf, Vorreiter bei E-Mobilität und dezentraler Stromerzeugung zu sein.

Wie Smart Cities alte Bausubstanz und modernste Technik verschmelzen können, macht Hamburg mit dem Projekt „Erneuerbares Wilhelmsburg“ vor. Ein ehemaliger Flakbunker als ein Teil des Zukunftskonzepts mutierte zur innovativen Energiezentrale. Solarenergie, Biomethan, Abwärme und Biomasse fließen dort zusammen und versorgen im Endausbau einen ganzen Stadtteil mit Wärme und Strom. Im Energiebunker gibt es auch ein Kaffee. Ohne die Bürger gehe nämlich nichts, lautet auch die Erfahrung aus Hamburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2015)

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