Sparkling Science: Spannen und Dehnen für die Sehnen

In Salzburg entwickeln HTL-Schüler einen Bioreaktor, in dem Sehnen belastet und getestet werden können. Forscher wollen wissen, wie sich die Ernährung auf die Heilung nach Verletzungen auswirkt.

(c) BilderBox

„Es gibt keine völlig entspannte Sehne in unserem Körper, außer sie ist gerissen“, sagt Andreas Traweger vom Institut für Sehnen- und Knochenregeneration der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Sein Team will die Therapie von verletzten Sehnen effektiver und schmerzfreier machen.

In jüngsten Untersuchungen fand sich Überraschendes: Einige Zellen in Sehnen scheiden das Stoffwechselhormon Insulin aus, wenn die Zuckerkonzentration im Blut steigt. „Wir wissen noch nicht, wie und warum die Sehnen Insulin produzieren“, sagt Traweger. Das soll in einem vom Wissenschaftsministerium finanzierten Sparkling-Science-Projekt mit Schülern aus Salzburg und Hallein herausgefunden werden. Am BG/BRG Hallein und dem BG Nonntal können Teilnehmer des Wahlpflichtfachs Biologie das Gewebe der Sehnen und ihrer Umgebung analysieren. „Je mehr Schüler mitmachen, umso mehr histologische Schnitte unserer Forschungen werden untersucht und umso mehr Daten liefern immer genauere Ergebnisse“, erklärt Traweger.

Das Material stammt aus Ratten, denen entweder eine normale Ernährung verabreicht wurde oder die mit viel Fett oder viel Glukose gefüttert wurden. „Wir wollen wissen, wie sich die Ernährung auf den Zustand der Sehnen auswirkt und ob Verletzungen schneller oder besser heilen, wenn der Blutzuckerwert steigt“, sagt Traweger. Sollte das der Fall sein, könnten auch bei uns Ernährungsänderungen die Heilung nach Sehnenverletzungen verbessern.

Ein weiteres Projekt wird mit der HTL Salzburg (Ausbildungsschwerpunkt Biomedizin- und Gesundheitstechnik) umgesetzt. 16 Maturanten bauen einen modernen Bioreaktor, in dem man Sehnen wie unter natürlichen Bedingungen halten kann.

Dazu braucht es Software, Steuerungselektronik und Bauteile, die von den Schülern entwickelt werden. Im Bioreaktor werden dann Sehnen eingespannt und wie im Körper belastet: Und zwar so kontrolliert, dass man jede Veränderung messen kann. „So sehen wir, ob etwa Antibiotika oder Schmerzmittel die Zellen in den Sehnen schädigen.“ Der Bioreaktor soll nächstes Jahr an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Betrieb gehen, um neue Therapieansätze zu entwickeln und zu testen. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2015)

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