Die Pflanzen zeigen, was das Klima treibt

Sparkling Science. Schüler in Niederösterreich fotografieren mit ihren Handys Sträucher auf dem Schulhof. Forscher nutzen diese Daten, um die Wirkung des Klimawandels auf die Vegetation sichtbar zu machen.

Wie bemerkt man, dass es den Klimawandel gibt? Die 1,5 Grad Celsius Temperaturanstieg im Frühling der letzten 60 Jahre in Österreich sind nicht wirklich greifbar. Doch Pollenallergiker spüren, dass Birken jetzt früher blühen, und Winzer sehen, dass Trauben früher reifen als vor 60 Jahren. Die Zusammenhänge der Pflanzen- und Tierentwicklung mit dem jahreszeitlichen Witterungsverlauf werden von der „Phänologie“ beschrieben. „Als Indikator für die Wirkung der Klimaänderung wird die Phänologie immer wichtiger“, sagt Helfried Scheifinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Darum haben die Forscher gemeinsam mit dem Landschaftsplanungsbüro Lacon und der Boku Wien ein vom Wissenschaftsministerium finanziertes Sparkling-Science-Projekt gestartet, in dem sie mit Schülern die Phänologie von heimischen Sträuchern beobachten.

Sogenannte Zehn-Jahreszeiten-Hecken helfen ihnen dabei: Der Zeitpunkt von Austrieb, Blüte und Fruchtreife bei Sträuchern wie Hasel, Schlehe und Hollunder macht die zehn phänologischen Jahreszeiten wie Vorfrühling, Frühsommer oder Vollherbst sichtbar. „Die Hecken wurden an den landwirtschaftlichen Fachschulen in Niederösterreich gepflanzt, mit denen wir zusammenarbeiten“, sagt Scheifinger.

Die höchstgelegene Schule ist bei Zwettl (600 Meter Seehöhe), die niedrigste ist Mistelbach (207 Meter), die westlichste ist in Hohenlehen, die südlichste in Warth, und Gießhübl liegt in der Mitte. „Die Schüler nutzen eine App auf ihrem Smartphone, um wöchentlich den Zustand der Hecke mit Foto und Beschreibung zu dokumentieren. Die Beobachtungen werden bei uns in einer zentralen Datenbank gesammelt.“ So bekommen die Forscher einen Überblick, welche Pflanze in welcher Gegend bei welcher Temperatur wann austreibt oder blüht. Zwischen Mistelbach und Zwettl können wegen des Höhenunterschieds bis zu 15 Tage Unterschied beim Austreiben der Birke bestehen. „Solche Informationen sind für Vorhersagen des Pollenflugs wichtig. Aber auch für andere wissenschaftliche Aspekte.“

Die Veränderung der Jahreszeiten in Bildern der Hecken sind nicht nur für die Schüler und Forscher, sondern auch für die Öffentlichkeit auf der Website www.facebook.com/naturverrueckt zu sehen. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2015)

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