Spielerisch den kleinen Unterschied ausgleichen

Mädchen lesen gern, und Buben mögen Computerspiele? Medienwissenschaftler kombinieren Buch und Internet mit der wirklichen Welt. Durch diese multimediale Schnitzeljagd wollen sie Rollenklischees aufbrechen.

Kennen Sie „Rayman Legends“? Es ist ein Jump-and-Run-Computerspiel mit vielen Helden. Auch weibliche Charaktere sind dabei. Doch ehe diese freigeschaltet werden und mitspielen dürfen, müssen viele Punkte gesammelt werden. Auch bei „Lego Marvel Super Heroes“ muss man mit Biss und Durchhaltevermögen ein hohes Level erreichen und sich so die Freischaltung weiblicher Charaktere hart verdienen.

Für Gender-Forscherin Astrid Ebner-Zarl sind dies Beweise dafür, dass Geschlechterstereotype im Web nicht nur vordergründig existieren. Man erkennt sie nicht nur an den extrakleinen Mädchen-Handys in Pink mit Pailletten, auf denen Apps mit Tipps für Nagelpflege, Körperhaltung und Kalorienzählen vorinstalliert sind. Auch in vermeintlich geschlechtsneutralen Spielen werden weibliche Charaktere in bestimmte Rollen gepresst.

 

Hausschwein erlebt Abenteuer

So auch im beliebten Spiel „Drachenzähmen leicht gemacht“: Darin beschränken sich Mädchen, die die Hauptfigur als Kinder beim Drachenrennen besiegen, als erwachsene Frauen darauf, den Protagonisten nach dem First-Lady-Modell zu unterstützen. „Wenn ein attraktiver Bursche ins Spiel kommt, verwandeln sich dort selbstbewusste Mädchen in artikulationsunfähige Wesen“, sagt Ebner-Zarl, Mitarbeiterin des Forschungsprojekts TraEx: Transmedia Extensions. Im transmedialen Kinderformat, das an der FH St.Pölten zusammen mit Mediendesignern entwickelt wird, werden Mädchen und Jungen die gleiche Wertigkeit bei der Problemlösung bekommen.

Es basiert auf einem Buch von Rosemarie Eigner und handelt von Kindern, die in einer Gemeindebauwohnung ein Hausschwein betreuen und dabei viele Abenteuer bestehen. „Bis heute haben Mädchen mehr Freude am Lesen, Buben nutzen stärker digitale Medien“, so Andreas Gebesmair vom Österreichischen Institut für Medienwirtschaft an der FH St. Pölten. „Das wollen wir aufbrechen, indem wir eine Geschichte auf verschiedenen Ebenen in verschiedenen Medien erzählen.“

 

Charaktere selbst entwickeln

Über die Produktion von Film, Comic und der Website zum Buch hinaus sollen Kinder – angeleitet von einem Spielführer – die Charaktere selbst weiterentwickeln. Gleichzeitig sollen Rätsel und Geheimnisse eingebaut werden, die auf „spielerische Weise ohne erhobenen Gender-Zeigefinger gelöst werden können“, so Ebner-Zarl. Mit Blogs, Facebook-Accounts, E-Mails oder SMS will man eine transmediale Schnitzeljagd starten, die Schulen oder Feriencamps in etwa einem Jahr nutzen können. (msb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2015)

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