Sparkling Science: Alte Obstsorten neu studieren

In der Steiermark suchen Schüler in Obstgärten ihrer Familien ursprüngliche Apfel- und Birnensorten. Sie untersuchen diese auf Beschaffenheit und auf Lagerungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten.

(c) Bilderbox

„Streuobstbau kennt jeder aus Bilderbüchern oder aus romantischen Werbungen, die Obstgärten zeigen“, sagt Bernd Kajtna vom Verein Arche Noah. Er leitet ein Sparkling Science Projekt, in dem Schüler von der Volksschule bis zur Oberstufe mithelfen, alte Obstsorten zu finden.

Streuobstwiesen sind die traditionelle Form des Obstbaus: Neben jedem Bauernhof gab und gibt es alte Obstbäume, teilweise sehr alte Bestände. „Die Bäume mit verschiedenen Obstsorten stehen verstreut auf einer Wiese. Im Gegensatz dazu gibt es das moderne Plantagenobst, den Intensivobstbau mit Monokulturen“, erläutert Kajtna. Da der Verein Arche Noah nicht nur für die Erhaltung alter Sorten in Österreich eintritt, sondern auch eine Forschungseinrichtung ist, sollen in dem vom Wissenschaftsministerium finanzierten Projekt alte Apfel- und Birnensorten aus der Weststeiermark erstmals wissenschaftlich untersucht werden.

„Die Steiermark ist seit über 100 Jahren Österreichs Obstbauland Nummer eins. Über die Schüler bekommen wir nun Zugang zu alten Beständen, den wir sonst nicht hätten“, sagt Kajtna. Mit Fragebögen zogen die Kinder und Jugendlichen im Herbst aus, um Großeltern, Tanten oder Bekannte zu interviewen: Welche Äpfel und Birnen wachsen in der Gegend? Wie geht man mit dieser, wie mit der anderen Sorte um?

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern wurden schon 600 Bäume markiert und nummeriert. Jetzt beginnt die Erntesaison: Erst anhand der Frucht wird mit Fachliteratur bestimmt, um welche Sorte es sich genau handelt. „Es sind viele klassische steirische Äpfel dabei, wie der Ilzer Rosenapfel, der Maschanzker oder der Krummstiel. Aber wir konnten auch den Schwarzen Borsdorfer finden, der schon als verschollen gegolten hat“, sagt Kajtna. Mit all diesen Sorten können die Schüler der fünf steirischen Schulen dann Versuchsreihen starten: Welche Inhaltsstoffe haben sie? Wie muss man das Obst lagern? Wie lässt es sich am besten verarbeiten?

Die Kinder und Jugendlichen arbeiten begeistert mit. Am Zentrum für Didaktik der Biologie der Uni Wien wird nun in „Vorher-Nachher-Interviews“ erforscht, was genau die Schüler an dem Projekt fasziniert: Die Ergebnisse sollen helfen, aktive Beteiligung bewusster im Unterricht zu verankern. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2015)

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