Minister Hahn: CERN-Mitgliedschaft keine "Zwangsehe"

In einem offenen Brief begründet der Wissenschaftsminister seine Entscheidung, Österreichs Engagement beim CERN nach mehr als 50 Jahren zu beenden. Die Petition gegen den Austritt wächst immer stärker.

Archivbild: BM HAHN ANL. BEITRITT ZUR ESO
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(c) APA (Hans Klaus Techt)

Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Organisationen CERN sind für Wissenschaftsminister Johannes Hahn keine "Zwangsehen". Sie würden sachlichen und politischen Überlegungen unterliegen, die jedes Land für sich selbst anstellen müsse, schreibt Hahn in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief, in dem er über seine Beweggründe für den Ausstieg Österreichs aus dem CERN informiert.

"Hoher Respekt" vor wissenschaftlicher Arbeit

Hahn betont, dass ihm die wissenschaftliche Bedeutung des Europäischen Kernforschungszentrums CERN "für einen Teil der Physik - die Kern- und Teilchenphysik" bewusst sei und er "hohen Respekt" vor wissenschaftlichen Publikationen der Vergangenheit habe. Seit Gründung des CERN habe Österreich mehr als 550 Millionen Euro "als Zeichen der Solidarität in Europa und der Völkerverständigung" investiert.

Teilchenphysik "nicht komplett aufgeben"

Allerdings wäre "eine kontinuierliche Fortschreibung von eingegangenen Verpflichtungen - nur um der Verpflichtung willen - der Tod jeder Erneuerung", betonte Hahn. Allerdings bedeute der Ausstieg nicht, "dass es zu einem Kahlschlag in der Physik kommt". Die Teilchenphysik werde "nicht komplett aufgegeben": So stünden weiterhin Mittel für Dissertanten-Programme am CERN zur Verfügung, betonte der Minister.

Grüne und SPÖ kritisieren Hahns Entscheidung

Dagegen verurteilte der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald in einer Aussendung den CERN-Austritt und rief "zur notwendigen Solidarität aller Wissenschafter, Universitäten und Forschungseinrichtungen" auf. Er unterstützt zudem die von Kern- und Teilchenphysikern initiierte Petition "Save our Science", die bis Mittwochnachmittag von mehr als 16.000 Personen unterschrieben wurde. Auch Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) kritisierte Hahns Entscheidung, Österreichs Engagement beim CERN zu beenden.

(APA)

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