„Notruf“ wegen Rückgangs der Drittmittel

Befürchtung, dass unsere Forschung zurückfällt.

Die vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Doktorandenkollegs und Exzellenzprogramme können nicht mehr weitergeführt werden. Die Genehmigungsquote des FWF für Förderansuchen sinkt. Derzeit liegt sie noch bei 24 Prozent der Einreichungen, 2016 wird sie „auf unter 20Prozent fallen“, wie Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer (Grüne) sagt. Und dann weiter in Richtung 15 Prozent.

Sigrid Maurer leitete in dieser Woche an der Med-Uni Wien eine Podiumsdiskussion zur Drittmittelfinanzierung. Der Initiator der Veranstaltung, Sigismund Huck (Professor am Zentrum für Hirnforschung der Med-Uni Wien), bewertet das Gleichbleiben der öffentlichen Forschungsförderung als deutlichen Rückschritt – auch deswegen, weil die Zahl der Ansuchen pro Jahr um acht Prozent steigt. Das Wissenschaftsministerium hat den FWF für den Zeitraum von 2016 bis 2018 mit insgesamt 550 Millionen Euro dotiert.


Demotivierend für Forscher

Wege aus dem Dilemma sieht Huck nicht, die Podiumsdiskussion sei vielmehr ein Notruf gewesen. Aber schon 70 Millionen mehr pro Jahr für den FWF könnten die ärgste Misere beheben. In der derzeitigen Situation hebt Huck drei besonders negative Punkte hervor: Erstens würden die Ablehnungen für die Wissenschaftler demotivierend wirken. Zweitens werden auch die zum Großteil ausländischen Gutachter demotiviert, die zwar eine aufwendige Arbeit erledigen, dann aber deren Nichtbeachtung zur Kenntnis nehmen müssen. Und drittens werden im Rahmen der Qualifikationsvereinbarungen, die den Unis vom Ministerium auferlegt werden, die eingeworbenen Projekte berücksichtigt – aber viele von Gutachtern befürwortete Forschungsansuchen werden derzeit wegen des Geldmangels nicht genehmigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2015)

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