Fettleibigkeit I: Erben Kinder die Fülle der Väter?

Das Sperma dickleibiger Männer hat ganz andere epigenetische Muster als das von dünnen.

UK SCIENCE SPERM
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Sperma – (c) EPA (-)

Wenn ein allzu dicker Mann ein Kind will, das ihm an Körperfülle nicht gleicht, dann sollte er vor dem Zeugen erst einmal abnehmen. Denn immer mehr deutet darauf, dass Fettleibigkeit (auch) vererbt wird, durch epigenetische Mechanismen. Das sind die, über die die Lebensweise eines Menschen an die nächste und auch die übernächste Generation weitergegeben wird: Die Gene bleiben unverändert, aber sie werden so moduliert – etwa durch Anhängen von Methylgruppen –, dass die Genaktivität verändert wird. Dass es das gibt, bemerkte man etwa an Kindern und Enkeln von Menschen, die selbst in Hungerzeiten aufgewachsen sind: Sie haben kräftigere Herzen und seltener Diabetes als Altersgenossen, derer Eltern bzw. Großeltern sich haben satt essen können.

Aber das waren epidemiologische Studien – anfällig dafür, dass irgendwelche Faktoren übersehen werden –, deshalb hat Roman Barrès (Kopenhagen) dort nachgesehen, wo vererbt wird, in den Spermien: Die von dicken Männern haben ganz andere epigenetische Muster als die von dünnen. Es liegt an der Körperfülle, nicht am Essverhalten, das zeigte Barrès im zweiten Schritt: Diesmal analysierte er das Sperma von Männern, die sich wegen Fettleibigkeit operativ den Darm verkürzen ließen, auch das veränderte das Muster (Cell Metabolism 3. 12.). Die Details sind noch wenig klar, einen Rat hat Barrès aber schon: „Es ist allgemein bekannt, dass Frauen in der Schwangerschaft auf sich achten sollen. Wenn unser Befund sich bestätigt, sollte es auch Empfehlungen für Männer vor dem Vaterwerden geben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2015)

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