Wo kommt es her, wo geht es hin?

Sparkling Science. Landschaftsplaner der Boku entwickeln mit Schülern eine App, die Karten als spannendes Unterrichtsmittel nutzt. Raumbezug wird so schnell sichtbar.

Früher trugen Geografielehrer schwere Landkarten auf sperrigen Ständern von Klasse zu Klasse. Was darauf abgebildet war, wusste am Jahresende kaum mehr ein Schüler. Heute können Karten spannender sein: Digitale Medien können Sichtweisen überlagern, den Verlauf von Handelswegen oder Pflanzenausbreitung vergleichen und den Raumbezug vieler Dingen interaktiv sichtbar machen. Darum geht es im vom Wissenschaftsministerium finanzierten Sparkling-Science-Projekt „Think Spatial!“.

„Viel Information, mit der wir täglich zu tun haben, hat einen Raumbezug“, sagt Projektleiter Thomas Schauppenlehner, Landschaftsplaner der Boku Wien. „Im Schulunterricht gibt es jedoch wenige Ansätze, um dies sichtbar und greifbar zu machen.“ Daher entwickelt sein Team gemeinsam mit Schülern der HTL Donaustadt und der HAK/HAS Laa an der Thaya eine App, die Karten als greifbares Informationsmedium für Schulen einsetzbar macht. Als Beispiel schwebt Schauppenlehner im Geografieunterricht etwa die Analyse zur Qualität der täglich genutzten Räume und Wege vor, im Deutschunterricht die Verbreitung von Dialekten entlang landschaftlicher Strukturen. Oder die Ausbreitung von eingeschleppten Pflanzen in Europa: ein wichtiges Thema im Biologieunterricht. Dies kann nun in der App am Tablet mit wenigen Klicks verfolgt werden.

„Auch für die Umweltbildung gibt es Ideen: Man kann sichtbar machen, woher die Kleidung kommt. Oder zeigen: Welchen Weg hat alles, was in meinem Kühlschrank steht, hinter sich?“, zählt Schauppenlehner auf.


Über die Jahre vergleichen

Jede Schulklasse kann ihre eigenen Projekte entwickeln und Lehrer, die die App über Jahre benutzen, können auf Daten der Vorjahre zurückgreifen. „So können Entwicklungen über die Zeit sichtbar werden.“ Die Karten werden stets mit Information gefüttert: An markierten Punkten kann man beispielsweise einen Fragebogen ausfüllen, ein Smiley absetzen, das ausdrückt, wie der umgebende Raum die Stimmung beeinflusst, oder Fotos, die man mit dem Handy schießt, hinzufügen. Als wissenschaftlicher Partner ist die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems am Projekt beteiligt, um die Ergebnisse auch für die Lehrerausbildung in Zukunft zu nutzen.

„Derzeit ist der Prototyp der App fertig“, so Schauppenlehner. Programmiert wurde die App von einem HTL-Schüler: Der 16-Jährige absolvierte dazu im Sommer ein Praktikum an der Boku. Auch das Logo, der App-Name und die Bedienoberfläche werden mit den Jugendlichen entworfen. „Wir wollen, dass die Schüler sagen können: Das ist unsere App, das haben wir entwickelt“, so Schauppenlehner.

Auch über die Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre machen sich die Forscher Gedanken: „Die Daten bleiben jeweils in der Schule gespeichert, damit von außen niemand Zugriff hat.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2015)

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