Fünf Meter können Leben retten

Sicherheit. Linzer Forscher haben einen neuen Radarsensor für Autos entwickelt. Automatische Bremssysteme erkennen Gefahren damit deutlich früher.

Autokolonne hinter LKW
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Autokolonne hinter LKW
(c) BilderBox (Wodicka; A-4062 Thening)

Es ist der Albtraum jedes Autofahrers: Ein Kind läuft knapp vor dem Auto auf die Straße. Man braucht zu lange, um zu reagieren, und die Notbremsung geht sich nicht mehr aus. Viele Autos haben aus diesem Grund inzwischen Radarsensoren eingebaut. Sie reagieren in Millisekunden und ein automatischer Bremsassistent leitet sofort eine Notbremsung ein – ein Mensch könnte niemals so schnell handeln. Alexander Melzer von der Uni Linz hat nun zusammen mit Institutsleiter Mario Huemer und der Firma Infineon einen Radarsensor entwickelt, der noch deutlich früher reagiert als bisher.

Denn die derzeitigen Modelle haben ein Problem: Die relativ großen Sensoren werden direkt hinter der Stoßstange der Autos verbaut. Diese reflektiert daher selber bereits einen großen Teil des Radar-Signals. „Metallic-Lackierungen, wie sie heute oft verwendet werden, reflektieren besonders stark“, erklärt Melzer. Dadurch entsteht ein Störsignal, das die Qualität der Abstandsmessung verschlechtert. „Es ist, als würde man durch Milchglas schauen“, sagt Melzer. Der neu entwickelte Radarsensor wird nicht mehr von der Reflexion der Stoßstange gestört. Er rechnet das Signal aus der Messung heraus.

Der Prototyp der Forscher hat dadurch eine um rund ein Viertel höhere Reichweite als bisherige Sensoren. „In einem Fall, in dem ein derzeitiger Bremsassistent 20 Meter vor dem Hindernis reagiert, sind es mit unserem Sensor rund 25 Meter“, sagt Melzer. Und diese fünf Meter können Leben retten.

 

Sensoren bald serienmäßig

Schon mit den im Moment verbauten Sensoren könnten etwa 70 Prozent aller Auffahrunfälle verhindert werden, wenn sie flächendeckend eingesetzt würden. Und 90 Prozent aller Verkehrsunfälle gehen auf menschliches Versagen zurück. Die neue Entwicklung soll die Sicherheit im Straßenverkehr noch weiter verbessern.

Schon bald werden die neuen Sensoren tatsächlich in Autos eingebaut sein. Das Forscherteam arbeitet mit der Firma Infineon bereits daran, die Technologie in einen ihrer Chips zu integrieren. Die Firma ist einer der führenden Hersteller von Autosensoren. „Wir gehen davon aus, dass dieser Chip dann in ein bis zwei Jahren in Serie gehen wird“, sagt Melzer.

Die Radarsensoren sind auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto. Denn durch die Verbesserung können Bordcomputer ein noch genaueres Bild dessen bekommen, was sich vor dem Auto befindet. Melzer grenzt ein: „Natürlich sind da auch viele andere Entwicklungen, etwa in der Kamera-Technologie, wichtig. Aber unsere Sensoren können wesentlich beitragen.“

Künftig sollen die automatischen Assistenten der Autos nicht nur Notbremsungen einleiten. Bei zu nahen Hindernissen werden die Autos auch automatisch ausweichen können. Melzer ist zuversichtlich: „Derzeit gibt es da zwar noch Unsicherheiten. Aber unsere Forschung trägt dazu bei, dass das bald möglich sein wird.“ (pe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2016)

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