Erstmals zwei Bäume im „Schlaflabor“

Pflanzen lassen nachts ihre Äste und Blätter hängen.

Tiere schlafen oder ruhen, Menschen schlafen – aber Pflanzen? Ein Wissenschaftlerteam mit österreichischer Beteiligung beantwortet diese Frage mit Ja. Die Forscher vom Finnish Geospatial Research Institute, der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der TU Wien haben nach eigenen Angaben erstmals das Schlafverhalten von zwei Birken vermessen.

Die Resultate zeigen, dass die Bäume über Nacht „zusammensinken“, ein fünf Meter hoher Baum ca. um zehn Zentimeter. Bestimmt werden kann ein solcher chronobiologischer Vorgang mittels Laserscanner, der die Positionsveränderung von Blättern und Ästen dokumentiert. Dabei werden einzelne Punkte auf der Pflanze für Sekundenbruchteile mit Infrarotlicht angestrahlt, das von den Blättern reflektiert wird. Dies passierte in Finnland und Horn/NÖ, bei stabilem Wetter und annähernder Tagundnachtgleiche.

 

Herausforderung Nacht

Versuche im Labor gab es bisher nur für kleine Pflanzen; die Herausforderung liegt in einer Voraussetzung für Schlaf: in der Dunkelheit. Änderungen der Pflanzenform sind bei Finsternis schwer dokumentierbar, weil fotografische Verfahren Licht benötigen – das hätte aber freilich Einfluss auf das Schlafverhalten der Pflanzen.

Warum nur zwei Bäume untersucht wurden, erfrug die „Presse“ bei Norbert Pfeifer vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien: „Der Aufwand für Untersuchungen dieser Art ist sehr groß“, vor allem wegen des Prozessierens der Datenmengen: Die Laserscanner-Punktwolken bestehen jeweils aus Millionen von Messpunkten. Aufgrund der ersten explorativen Ergebnisse möchten die Wissenschaftler aber weiterforschen, etwa, ob Bäume nebeneinander synchrone Bewegungen zeigen, sagt Pfeifer. (trick)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2016)

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