Leuchtendes Band umschließt unser Sonnensystem

Die NASA-Sonde "IBEX" wirft alle bisherigen Theorien über den Rand unseres Sonnensystems über den Haufen. Ein helles Band aus Wasserstoffatomen zeigt die Grenze auf, wo Sonnenwind auf galaktischen Wind trifft.

(c) NASA

Ein Jahr nach ihrem Start hat die NASA-Weltraumsonde IBEX neue Informationen aus den bisher unbekannten Grenzbereichen unseres Sonnensystems gesammelt. Die Bilder und Messergebnisse von IBEX (Interstellar Boundary Explorer) seien "ausgesprochen bemerkenswert", weil sie "Phänomene dokumentieren, die nicht zu unseren Theorien und aktuellen Modellen über diese Region passen", sagte NASA-Experte David McComas am Donnerstag im texanischen San Antonio.

IBEX habe erstmals kartographische Informationen über die sogenannte interstellare Grenze geliefert, an der das Sonnensystem auf den offenen galaktischen Raum trifft. "Zum ersten Mal stecken wir unsere Köpfe aus der Atmosphäre der Sonne heraus und beginnen wirklich unseren Platz in der Galaxie zu verstehen", erklärte McComas.

Mehr Licht als erwartet

Zu den interessantesten Befunden zählte McComas, dass es im Grenzbereich der Heliosphäre - dem blasenförmigen Einflussbereich der Sonnenwinde um unser Sonnensystem - mehr Licht gibt als bisher erwartet. "Während wir in diesem interstellaren Grenzbereich, wo das Sonnenlicht Dutzende Milliarden Kilometer von der Erde entfernt endet, nur ganz schwache Variationen erwartet haben, hat IBEX uns einen sehr feinen Lichtschleier gezeigt", sagte McCamus. Dieses Lichtband sei "zwei bis dreimal intensiver als der Himmel in der Region um die Heliosphäre".

Die Region an der Grenze des Sonnensystems ist von großer Bedeutung, weil sie die Erde weitgehend vor der gefährlichen kosmischen Strahlung schützt. In dem von IBEX untersuchten Übergangsgebiet kollidieren heiße Sonnenwinde mit Teilchen aus anderen Regionen der Milchstraße - dem galaktischen Wind, gewissermaßen. Außerdem pulsieren dort mehrere starke Magnetfelder. Der von IBEX dokumentierte Lichtschleier scheint nach den Worten von McCamus unter dem Einfluss eines kosmischen Magnetfelds zu stehen; der Einfluss der interstellaren Umgebung auf die Heliosphäre scheine größer zu sein als bisher angenommen.

Bisher kaum Informationen über Grenzregion

(c) EPA (NASA)
Die Befunde wurden am Donnerstag im US-Magazin Science veröffentlicht. IBEX ist mit hochempfindlichen Spezialinstrumenten ausgerüstet. Sie verfügt über spezielle Kameras mit nur einem Pixel und großer Brennweite, welche energetisch neutrale Atome messen können. Die wenigen Informationen über die entfernte Region stammen von den 1977 ins All geschossenen Sonden Voyager 1 und 2. Diese haben die Ausläufer des Sonnensystems bereits erreicht und senden bis heute Daten mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Voyager 1 erreichte Ende 2004 ein Gebiet, das die Wissenschafter als "Termination Shock" bezeichnen. Dort treffen die Sonnenwinde auf interstellare Gase. Voyager 2 erreichte 2007 die Sonnenscheide, den äußersten Bereich des Sonnensystems, in dem noch Sonnenwinde vorkommen. Die Wissenschafter rechnen damit, dass der Kontakt zu der Sonde 2020 abbrechen dürfte, weil die Plutonium-Generatoren immer schwächer werden.

(Ag.)

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