Quantenphysik mit Sternen

Wiener arbeiteten nun mit Lichtteilchen aus der Milchstraße.

(c) imago/Westend61

Der quantenphysikalische Effekt der Verschränkung widerspricht unserem Alltagsverstand: Misst man eines von zwei verschränkten Teilchen (und legt damit seinen Zustand fest), wird damit augenblicklich auch der Zustand des zweiten Teilchens fixiert, egal wie weit es entfernt ist, ohne dass Information (die ja auch nur mit Lichtgeschwindigkeit reisen kann) transportiert wird. „Spukhafte Fernwirkung“ nannte Einstein das – und erklärte, es müsse „verborgene Variable“ geben, über die die Teilchen einander doch kausal beeinflussen.

Inzwischen wurde die Verschränkung in vielen Experimenten überprüft, für konsequente Skeptiker (respektive Einsteinianer) bleiben aber – wenn auch unwahrscheinliche – „Schlupflöcher“. Etwa dass Teilchen (diesfalls Lichtteilchen, Fotonen) und Messapparat einander vor dem Experiment kausal beeinflusst haben. „Um eine vorherige ,Absprache‘ zwischen Teilchen und Messapparat auszuschließen, muss die genaue Einstellung des letzteren frei und unabhängig von den Teilchen gewählt werden“, erklärt Johannes Handsteiner aus dem Team um Anton Zeilinger (Akademie der Wissenschaften, Wien). Er und Kollegen taten das, indem sie die Einstellung durch Lichtteilchen steuern ließen, die von Sternen kommen, die 600 Lichtjahre von der Erde entfernt sind (Physical Review Letters 118, 060401). Damit hätte die Wahl der Messeinstellung vor 600 Jahren erfolgen müssen, lange vor dem Experiment, argumentiert Zeilinger: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es verborgene Variablen gibt, die alternativ zur Verschränkung geführt hätten, ist somit noch geringer als bisher. Denn ein Einfluss auf das Messergebnis hätte weit vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks stattfinden müssen.“ (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2017)

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