Verdüstern Aliens Tabby's Star?

Astronomie. Der mysteriöseste aller Sterne zeigt wieder Veränderungen seines Lichts, für die sich noch keine natürliche Erklärung gefunden hat.

Illustration der möglichen Konstruktionen, die KIC 8462852 umgeben könnten.
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Illustration der möglichen Konstruktionen, die KIC 8462852 umgeben könnten.
Illustration der möglichen Konstruktionen, die KIC 8462852 umgeben könnten. – (c) Imago

Im Jahr 2011 geriet etwas in die Augen des Weltraumteleskops „Kepler“, was seine Bilderkennungssoftware nicht fassen konnte: Kepler ist auf der Jagd nach Exoplaneten, er erkennt sie daran, dass ihre Helligkeit leicht schwankt, wenn an einem Stern etwas vorbeizieht. Das hat Kepler bei 150.000 Sternen getan, bei Tausenden wurde er fündig, bei einem mehr als das: Der Stern heißt KIC 8462852, er ist etwa 1300 Lichtjahre entfernt im Sternbild des Schwans.

Die Schwankung seiner Helligkeit war so gewaltig, dass das Programm überfordert war, man rief menschliche Augen zu Hilfe, die von Amateuren, die im Projekt „Planet Hunters“ alle Bilder von Kepler auswerten können. Und man rief Professionelle zu Hilfe, zunächst Tabetha Boyajian, Astronomin an der Louisiana State University. Von ihr erhielt der unaussprechliche Stern seinen Spitznamen – „Tabby's Star“ –, sie publizierte 2015 gemeinsam mit Amateuren das höchst befremdliche Verhalten: Ihr Stern wird periodisch gedimmt, von irgendetwas, das kein Planet sein kann, weil das Verdüstern erstens viel zu stark ist – das Licht geht um bis zu 20 Prozent zurück – und zweitens viel zu unregelmäßig.

Also suchte Bovajian nach Erklärungen, sie musterte viele Kandidaten durch, etwa den, dass KIC 8462852 von dichten Staubwolken umgeben ist, die unregelmäßig vorbeiziehen. Aber das scheidet aus, weil zwar ganz junge Sterne noch Staubwolken in ihren Systemen haben, aber die strahlen auch im Infrarot. Tabby's Star tut das nicht, er ist alt.

 

Solarpanele? Dyson-Sphäre?

Weil sich nichts Natürliches fand, sprang Jason Wright (Penns) mit einer Hypothese ein, die Schlagzeilen machte: Was den Stern verdunkle, müsse etwas von Aliens Errichtetes sein, gigantische Solarpanele etwa oder der erste Bauabschnitt einer Dyson-Sphäre: Das ist eine 1960 vom Physiker Dyson postulierte völlige Ummantelung eines Sterns zum Zweck der Energiegewinnung.

Ernst nahm das zumindest die SETI-Community, die schon lange nach intelligentem Leben im All sucht. Sie richtete ihre Mikrofone auf Tabby's Star, aber akustisch Aufregendes kommt nicht. Optisches durchaus: Der Stern wird seit Jahren auch mit erdbasierten Teleskopen beobachtet – und zum ersten Mal seit 2013 hat er sich jetzt wieder verdunkelt (Sciencenow 22. 5.). Und diesmal kann man es direkt und in Echtzeit verfolgen, das stimmt die Forscher zuversichtlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2017)

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